Action, baby

Action, baby

Man hätte meinen können, man befände sich in einem amerikanischen Supermarkt, der auf 18°C heruntergekühlt worden ist. Mir war ja klar, dass ich diese Nacht recht ungemütlich und quer auf Sitzbänken würde verbringen müssen, aber dass es mich dabei auch noch frieren sollte, damit hatte ich nicht gerechnet. Auch die dicke Weste hat nichts gebracht – es war eiskalt. Übermüdet und halb erfroren habe ich mich dann um kurz nach halb sieben in meinen Corolla gesetzt, mir was beim Bäcker geholt, die Heizung auf volle Pulle gestellt und bin dann durch die anfangs noch dunkle Nacht im Regen Richtung Motueka gedüst. Südinsel, here I come!

Bei einem kurzen Halt am Cable Bay hatte es immer noch geregnet, und bis zu einer Regenpause, in der ich mal kurz raus bin um Fotos zu machen, habe ich im Auto gepennt.

Cable Bay

In einem Städtchen namens Nelson bin ich rausgefahren, weil sich mein Magen schon wieder gemeldet hatte, und auf der Suche nach einem Parkplatz hatte es geschüttet wie aus Eimern. Es war viel los an diesem Donnerstagmorgen, aber ich habe dann letztlich doch einen gefunden. Überhaupt ist Parken in Neuseeland wesentlich entspannter als bei uns. Man findet irgendwie immer einen Parkplatz, der meist für ein oder zwei Stunden umsonst ist (auf Eigenkontrolle; Parkscheiben gibt es hier nicht). Natürlich gibt es auch Parkuhren, aber oft ist es schon eine oder zwei Straßen weiter wieder gratis.

In einer schwedischen Bäckerei gab es (ja, ich gebe es zu, es waren) zwei leckere Mandelcroissants und eine Veggie-Quiche für mich. Ein paar Meter weiter habe ich mir in weiser Voraussicht eine neue Jeans gekauft, denn seit zwei Tagen hatte ich eine aufgeschürfte Stelle, und schon einen Tag später sollte ein großer Riss draus werden.

Nelson – Schwedische Bäckerei

In meinem Hostel in Motueka habe ich erstmal auf der Couch gedöst, weil ich noch nicht ins Zimmer konnte. Den Rest des Tages habe ich außer einem Abendessen beim Inder nur an meinem Blog geschrieben, weil es nicht mehr aufhören wollte zu regnen.

Ein Platzregen in der Nacht hat so sehr aufs Dach geprasselt, dass ich davon aufgewacht bin, und am nächsten Tag ist es erst ab Mittag besser geworden. Also habe ich mich ins Auto gesetzt, denn ich wollte in den Abel Tasman Nationalpark. Das Problem war allerdings: die Straße war gesperrt und nur während weniger Stunden pro Tag für den Verkehr freigegeben, weil ein Zyklon vor zwei oder drei Wochen so viel Regen gebracht hatte, dass einige Stellen der Passstraße unpassierbar geworden waren. Stattdessen bin ich halt an den Split Apple Rock in Kaiteriteri und danach weiter nach Marahau um von der Südseite her ein bisschen in den Nationalpark zu wandern.

Kaiteriteri – Split Apple Rock
Kaiteriteri – Split Apple Rock
Marahau – Apple Bay

In der folgenden Nacht hatte es wieder heftig geschüttet, aber ich habe früh ausgecheckt und war rechtzeitig um kurz nach halb acht an der Straße zur Nordseite des Nationalparks. Leider war die Straße immer noch gesperrt und ich konnte gezwungenermaßen gemütlich frühstücken und habe danach bei einem weiteren Platzregen gemütlich im Auto am Blog weitergeschrieben. Als die Straße dann endlich frei war, ging es im Konvoy über den Takaka Hill Pass. Ich habe mir für den nächsten Stopp wieder was aus dem NZ Frenzy rausgesucht und war an einem Dschungel-Hain. Ein wunderbares Stückchen Urwald. Der in Neuseeland allgegenwärtige Silberfarn war nach dem Regen im satten Grün, von den Palmen tropfte das letzte Regenwasser herab, die Sonne schien vom fast wolkenlosen Himmel durch das Blätterwerk der Palmen und auf den Felsen glitzerte frisches Moos. Eine fast mystische Atmosphäre herrschte in diesem von Touristen fast vergessenen Wäldchen. Ich war allein und erst zurück am Parkplatz ist ein zweites Auto dazu gekommen.

The Grove
The Grove
The Grove
The Grove – Blick Richtung Takaka

Auf dem Weg Richtung Strand habe ich noch an einem imposanten Wasserfall (Wainui Falls) vorbeigeschaut, und dann war ich nach weiteren 20 Minuten auf einer kurvigen Schotterstraße an der Totaranui Bay. Der Sand im Nationalpark ist dafür bekannt, dass er fast schon ein bisschen ins Orangefarbene geht, und auf diesem Sand habe ich mich ein bisschen gesonnt und gechillt.

Wainui Falls – Fußweg zu den Fällen
Wainui Falls
Wainui Bay – Auf dem Weg zur Totaranui Bay

Um in meine nächste Unterkunft in Murchison zu kommen, hatte ich noch 210 Kilometer vor mir, aber davor habe ich noch schnell an einer der klarsten Quellen der Erde vorbei geschaut, dem Te Waikoropupu. Wobei es fast schwer war, sie als solche zu erkennen. Vielmehr hätte man meinen können, es handele sich um einen See oder gar einen kleinen Fluss. Das Wasser war allerdings tatsächlich klar und man konnte den bunten Boden sehen, während ein paar Meter weiter das Quellwasser leicht erkennbar an die Wasseroberfläche kam. Da den Māori der Ort und das Wasser als heilig gelten, durfte man auf keinen Fall mit dem Wasser in Berührung kommen.

Te Waikoropupu Quelle
Te Waikoropupu Quelle

Jetzt aber los, hinunter nach Murchison. Autofahren in Neuseeland geht nicht so schnell wie in Deutschland. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 100 km/h, aber man kann oft nicht annähernd so schnell fahren. Ein State Highway führt auch mal über Serpentinen durch die Berge und dann muss man selbst bei flotter Fahrweise auf 30 km/h herunterbremsen. Für die Strecke braucht man etwa dreieinhalb Stunden, und als ich im Lazy Cow-Hostel ankam, war es schon tiefe Nacht. Unterwegs habe ich zwei Franzosen mitgenommen, die durch Neuseeland trampten. Über Work and Travel sind sie auf verschiedenen Farmen gewesen um Geld zu verdienen, und jetzt waren sie gerade am Reisen. Kurz nach einem Regenschauer wollten sie, dass ich sie an einer Abzweigung mit Campingplatz nebenan rauslasse. Ich habe sie in diesem Moment alles andere als beneidet, denn es war inzwischen recht frisch geworden und der nächste Regen war nur eine Frage der Zeit.

In einer französischen Bäckerei in Murchison habe ich gefrühstückt, bevor ich bei Nieselregen an die Mauia Falls gefahren bin. Danach musste ich wieder Strecke machen, denn ich habe mir aus dem NZ Frenzy den Charming Creek Walkway in Ngakawau rausgesucht. Der Weg führte permanent auf alten Gleisen entlang des Ngakawau Rivers, der aufgrund der vielen Regenfälle der letzten Tage stark angeschwollen war und mich irgendwie an den wuidn Booch vom Heiligen Tal erinnert hatte. Die Eisenbahnstrecke wurde für Kohle aus einer Mine und für eine Sägemühle angelegt, aber ist jetzt perfekt für einen Spaziergang durch die Schlucht. Kurz vom dem Mangatini-Wasserfall ging es über eine neuere Hängebrücke, und kurz danach durch einen alten Eisenbahntunnel. Es war inzwischen nass, denn es hatte zu regnen angefangen, also habe ich mich auf den Rückweg gemacht und bin bei Sonnenschein wieder am Parkplatz angekommen.

Murchison – Mauia Falls
Charming Creek Walkway
Charming Creek Walkway
Charming Creek Walkway
Charming Creek Walkway – Reste des Bahnbetriebs
Charming Creek Walkway – Mangatini Falls
Charming Creek Walkway – Nicht ganz so charming, eher ein wuider Booch

Ngakawau liegt an der West Coast und die ist bekannt für ihr manchmal unwirtliches Wetter, das direkt von der Tasmanischen See kommt. Ich hatte aber Glück, den ganzen Weg bis zu den Pancake Rocks ist es schön geblieben. Wie der Name schon sagt, sehen diese Kalksteinablagerungen wie geschichtete Pfannkuchen aus, von denen auch die Wissenschaftler noch nicht ganz sicher sind, wie sie sich gebildet hatten. Durch Erosion sind bizarre Formationen entstanden und haben Höhlen, Felsnasen und Ausspülungen geschaffen, die dazu führen, dass das Wasser an einigen Stellen durch Löcher nach oben schießt. Es gab hier einen kleinen Rundgang, nebenan eine Kleinigkeit zu essen, und der Weg bis zu Hostel in Greymouth war auch nicht mehr lang.

Westcoast – Strand bei Pancake Rocks
Westcoast – Strand bei Pancake Rocks
Pancake Rocks
Pancake Rocks

***

Hostels sind Orte, an denen man, wenn man will, Leute treffen kann. Manche sind gut dafür geeignet, und das Management tut alles dafür, andere wiederum sind langweilig, weil um neun schon alle im Bett sind. Manche Hostels sind geradezu abgefuckt und dreckig, während andere neu, sauber und/oder sehr gepflegt sind. Die Hostels in Murchison und Greymouth werden mir noch eine Weile im Gedächtnis bleiben, weil es dort eher unangenehme Gerüche hatte. Beide Hostels waren toll und sehr gemütlich, aber im einen hatte es gerochen wie in der Wohnung von jemandem, den ich schon lange vergessen will, und in meinem Schlafsaal in Greymouth hat es gestunken wie auf einem Fischmarkt, Würgereflex inklusive. Und als ich spätabends vom Blogschreiben im Gemeinschaftsraum ins Bett gehen wollte, standen auch noch weiße Gummistiefel und allerhand fischige Anglerkleidung vor meinem Bett, dass es mir ganz anders geworden ist. Aber es hilft ja nix, Nase zu und durch, und am nächsten Tag schnell weiter.

Ein Frühstück im Café und Provianteinkaufen im Supermarkt – dann ging‘s los. Mein Weg führte mich weiter Richtung Süden an der Küste entlang nach Franz Josef und den gleichnamigen Gletscher (Māori: Kā Roimata o Hine Hukatere). Ein österreichischer Forscher hatte den Gletscher 1852 benannt, das ganz aber nicht offiziell bekannt gegeben. Folglich wurde der Gletscher 13 Jahre später vom einem Deutschen namens Julius von Haast nach dem damaligen Kaiser Franz Josef I. benannt, dem Gemahl von Sisi. Als ich am Parkplatz ankam, hatte es mal wieder heftig geschüttet, und deshalb habe ich mir den Sitz zurück gestellt, und blogschreibend eine Regenpause abgewartet. Ich gebe an dieser Stelle zu, dass ich vormittags nicht widerstehen konnte, mir Lindor-Schokoeier von Lindt zu kaufen. Sie kosten hier zwar einen Haufen Geld, aber das sind sie auch wert. Und wenn so eine Packung mal auf ist, dann ist eh keine Ruhe, bevor die Tüte leer ist. Also habe ich während des Wartens und Schreibens im Regen alles leergefuttert; und mir später gleich nochmal eine gekauft.

Ein etwa halbstündiger Weg führte vom Parkplatz nach hinten zum Gletscher. Auch in Neuseeland gehen die Gletscher aufgrund des Klimawandels immer weiter zurück. Noch vor ein paar Jahren, war er 150 Meter weiter vorn im Tal, und heute kann man ihn von einem Aussichtspunkt nur noch in der Ferne sehen. Und weil inzwischen wieder tiefhängende Regenwolken aufgezogen waren, sah man mit Glück noch das talseitige Ende. Außerdem muss man der Ehrlichkeit halber sagen, dass der Franz Josef ziemlich unspektakulär scheint, wenn man nur ein paar Wochen zuvor die Gletscher in Patagonien gesehen hatte.

Franz-Josef-Gletscher – Namenlose Wasserfälle auf dem Fußweg zum Aussichtspunkt
Franz-Josef-Gletscher – Fußweg zum Aussichtspunkt
Franz-Josef-Gletscher

Etwa 30 Kilometer weiter südlich gibt es einen zweiten Gletscher, den Fox Glacier. Die Zufahrtsstraße war aufgrund des Regens gesperrt, weshalb ich nur zu einem weiter entfernten Aussichtpunkt gefahren bin. Auf dem Weg dorthin habe ich noch eine indische Familie aus Kalkutta mitgenommen, die mit ihrem Camper nicht bis ganz nach oben fahren durften. Der Ausblick war nichts Besonderes, aber der kurze Spaziergang bis vom Parkplatz aus führte durch einen typisch neuseeländischen Regenwald, und der war nach dem Regen einfach nur schön.

Fox-Gletscher – Fußweg zum Aussichtpunkt
Fox-Gletscher – Fußweg zum Aussichtpunkt
Fox-Gletscher

Übernachtet habe ich in Haast, einem nach oben angegebenen Entdecker benannten Ort in der Pampa, in dem es kein Mobilfunknetz und im Hostel kein freies WLAN gab. Gegen Mittag des nächsten Tages habe ich in Wanaka eine Pizza-Pause gemacht, und einen guten Kilometer weiter am Lake Wanaka Blog geschrieben und bei Schokoeiern (diesmal weiße Schokolade) darauf gewartet, dass der Wetterbericht Recht behält und die Sonne am Nachmittag herauskommt. Somit hatte der Dauerregen auch was Gutes, denn ich wäre sonst nie fertig geworden mit Schreiben.

Roaring Billy Falls – Zwischen Haast und Wanaka

Im Lake Wanaka steht, etwa zehn Meter vom Ufer entfernt, ein Baum im Wasser, der zu einer Touristenattraktion geworden ist, wobei das herrliche Bergpanorama im Hintergrund das Seine dazutut. Und allen voran sind chinesische Touristen, die sich in den absurdesten Posen vor dem Baum im See und sonst auch überall fotografieren.

Lake Wanaka – Wanaka tree
Wanaka – Kauri-Baum

Aber nicht nur das ist lächerlich, sie können auch nicht Autofahren. Es ist zum Verzweifeln, vor allem, wenn man hinten ihnen über einen Pass fährt und nicht überholen kann. Man könnte, ihnen hinterhertuckelnd, schreien, denn von links ranfahren und die Autoschlange überholen lassen, haben sie wohl noch nichts gehört. Solch ein besagter Pass ist jener über den Cardrona-Pass auf dem Weg von Wanaka nach Queenstown.

Queenstown, die Stadt am Lake Wakatipu, bezeichnet sich selbst als die Activity Capital. Hier gibt’s Action! Man kann Outdoor alles machen, was Spaß macht und das Adrenalin steigen lässt. Bungee Jumping (das hier seinen Ursprung hat), Paragliding, Skydiving, Mountainbiken, Wandern, Bouldern, JetBoat-Fahren, Dampferfahren und noch vieles mehr. Es ist eine quirlige Stadt mit vielen Bars, Kneipen, Restaurants und Reiseagenturen für all die Freizeitaktivitäten. Mein Hostel war voll mit jungen Backpackern, aber das Bett im Schlafsaal war richtig gut, denn es hatte eine eigene Nachttischlampe, Steckdosen fürs Handy und einen Vorhang für ein bisschen Privatsphäre.

Cardrona-Pass – Blick Richtung Queenstown (noch weit weg…)
Cardrona-Pass – Blick Richtung Queenstown
Queenstown – Brücke, von der der erste Bungee Jump stattgefunden hat
Queenstown – Blick über Lake Wakatipu Richtung Süden
Queenstown – Blick über Lake Wakatipu Richtung Südwesten

Am nächsten Morgen habe ich in einem kleinen Café gefrühstückt, bin runter zum Hafen und im Botanischen Garten, der auf einer kleinen Halbinsel liegt, herumspaziert. Etwa 30 Kilometer weiter am See entlang gibt es ein paar Aussichtpunkte auf die schneebedeckten Berge der Fiordlands. Leider hatte ich dazu und zu einem Ausflug nach Milford Sound keine Zeit mehr, und so musste ich mich mit einem Blick aus der Ferne begnügen.

Queenstown – Blick zum Botanischen Garten
Queenstown – Botanischer Garten
Queenstown – Lake Wakatipu
Queenstown – Blick über Laka Wakatipu Richtung Mt. Alfred

Eigentlich wollte ich heute zurück nach Wanaka und auf den Fitz Roy hinaufsteigen, von dem man einen herrlichen Blick auf die Stadt, die Seen und die Berge haben solle. Ich habe es aufgrund von akuter Faulheit allerdings sein lassen und bin stattdessen zurück in Queenstown durch die Stadt geschlendert, Eis geschleckt und die wunderbare Herbstsonne genossen.

Ein paar Kilometer weiter konnte man sich für einen Haufen Geld mit einem JetBoat auf einem Gebirgsfluss (dem Shotover River) durch die engen Schluchten fahren lassen. Natürlich mit Highspeed und ganz knapp an den Felsen vorbei. Ich habe stattdessen nur ein bisschen zugeschaut, bin weiter nach Arrow Town um dort durch ein Städtchen zu schlendern, das schön hergerichtet war und im Zentrum, wenn man es denn so nennen will, lauter Cafés, Restaurants und Souvenirläden hatte. Überhaupt sehen die Städte in Neuseeland irgendwie alle gleich aus. Eigentlich wohnt niemand im CBD, dem Central Business District. Hier gibt es Läden, Cafés, Restaurants, Büros, und in den Kleinstädten sind die Gebäude im Zentrum wenn überhaupt nur zweistöckig. Die Kiwis wohnen alle außerhalb des CBDs und in den Suburbs.

Arrow Town

Auf der Weg zu meiner nächsten Unterkunft habe ich an einem kleinen See Halt gemacht, einer humpelnden Ente ein paar meiner Kekse zerbröselt und mich bei Fahrt über den Cardona-Pass über einen schleichenden asiatischen Autofahrer geärgert bis ich etwa zweidreiviertel Stunden später in Twizel angekommen bin. Auch diese Stadt – ein Ort im Nirgendwo. Beim Check-In habe ich Pia und Lisa aus Hamburg kennen gelernt, zwei Medizinstudentinnen, die in Christchurch gerade ihr Praktisches Jahr machen. Wir wollten eigentlich auf eine Stargazing-Tour, aber das musste aufgrund von Wolken abgeblasen werden, und so sind wir einfach in ein kleines Restaurant zum Essen und Quatschen.

Twizel – Pissoirs im Pub

Am nächsten Morgen sind wir zusammen Richtung Mt. Cook gefahren und haben eine Wanderung im Hooker Valley gemacht. Das Wetter war prächtig, die Sonne hat vom Himmel gestrahlt und die Berge in ein gleißendes Licht getaucht. Am Ende gab es einen Gletscher zu sehen, der heutzutage in einen Bergsee kalbt, während er in früheren Zeiten bis weit über die Stelle hinaus gegangen ist, die heute der See ist.

Mt. Cook – Lake Pukaki
Mt. Cook – Wanderung auf dem Hooker Trail, Blick auf Mt. Sefton
Mt. Cook – Hooker Gletscher

Zurück am Parkplatz habe ich mich von den beiden verabschiedet und bin über Tekapo weiter nach Methven. Im Sommer ist das Städtchen ausgestorben, aber im Winter kommen sie alle zum Skifahren.

Tekapo – Lake Tekapo
Tekapo – Kirche zum Guten Hirten
Methven – Nix los im Sommer…

Am frühen Karfreitagmorgen musste auf meiner Fahrt zum Rakaika Gorge, nachdem ich noch nicht mal 5 Minuten unterwegs war, ein Vogel dran glauben, den ich bei 100 km/h mit der Seite erwischt habe. Auf Neuseelands Straßen liegen ohnehin immer mal wieder tote Viecher am Straßenrad; viel mehr als bei uns in Deutschland und erstaunlicherweise auch viel mehr als beispielsweise in Peru, wo es von streunenden Kötern ja geradezu wimmelt. Es sind meist schwarze Vögel (von der Größe etwa in der Art eines Rebhuhns) mit kleinen weißen Punkten, von denen ich bis zum Schluss nicht herausbekommen habe, wie sie heißen.

Rakaika Gorge
Rakaika Gorge

Der Rakaika Gorge liegt nur eine Viertelstunde von Methven entfernt, und hier bin ich ein bisschen am Fluss entlang gewandert und habe die herrliche Herbstsonne genossen. Ich habe nach einer Weile allerdings wieder umgedreht, denn ich wollte noch unbedingt zum Arthur’s Pass. Der Pass verbindet die Ost- mit der Westküste (Christchurch – Greymouth) und führt auf 920 Meter hinauf. Karfreitag ist natürlich auch in Neuseeland Feiertag und daher waren neben den normalen Touristen ein Haufen Tagesausflügler aus Christchurch oder sonst woher unterwegs. Auf halbem Weg habe ich in Castle Hill Halt gemacht, wo große Felsbrocken in einem Hochtal den Eindruck eines Schlosses erwecken. Als es weiter ging, war ich kurz versucht umzudrehen und Arthur’s Pass sausen zu lassen, denn es war Stau wegen einer Baustelle. Mit einer Stunde Verspätung bin ich dann angekommen und mir den Devil’s Punchbowl angeschaut, einen Wasserfall gleich bei Arthur’s Pass, und noch einen Happen gegessen.

Castle Hill
Arthur’s Pass – Devil’s Punchbowl

Es war schon dämmrig als ich mein Hostel direkt am Flughafen in Christchurch erreicht habe. Ich habe damit zwar nichts von Christchurch gesehen, aber das war nicht so schlimm. Es ist halt eine Stadt wie viele andere auch, und außerdem habe ich mir sagen lassen, dass noch viel Kaputtes vom Erdbeben vom 22. Februar 2011 zu sehen ist.

Mein Hostel war das Jucy Snooze. Jucy ist eigentlich eine Mietwagenfirma, die hauptsächlich Camper vermietet, die mit einem grün-violetten Logo meist schon von fern sichtbar sind, aber inzwischen auch ein paar günstige Backpacker-Hostels hat. Hier war ich in einem 6er-Schlafsaal, der insofern besonders war, als dass jedes Bett in einer Kapsel nach japanischem Vorbild war. Eine solche Kapsel hatte ein Rollo, mit dem man einfach zu machen konnte, USB- und Stromanschluss, Licht, Lüftung und ein kleines Netz für persönliche Dinge. In der Mitte des Gebäudes gab es einen großen und hohen Raum, in dem eine lange Küchenzeile eingebaut war, daneben natürlich Tische und Stühle, aber auch Hängematten, Sitzsäcke zum gemütlich Herumlümmeln und abgedeckte (USB-)Steckdosen im Boden wie in einem Konferenzsaal.

Christchurch – Jucy Snooze
Christchurch – Jucy Snooze

Mit einem Plus von 3.339 Kilometern auf dem Tacho (so viel fahre ich sonst privat im ganzen Jahr nicht!) habe ich am frühen Morgen des Karsamstags meinen Corolla am Flughafen in Christchurch abgegeben und mein Neuseelandabenteuer beendet. Was für ein tolles Land! Drei Wochen waren viel zu wenig. Den Norden der Nordinsel und den Süden der Südinsel musste ich leider komplett streichen. Und auch dazwischen hätte es noch so viel zu sehen gegeben. Freundliche Menschen wohnen hier, und das obwohl sie von ausländischen Touristen (allen voran deutschen und französischen) geradezu überrannt werden. Kulinarisch sind sie super aufgestellt, aber auch nur deshalb, weil es allerhand asiatische und sonstige ausländische Restaurants gibt. Was die Engländer (immerhin ein Weltreich) kulinarisch mitgebracht haben (Pies und Fish ‘n chips), ist keiner weiteren Erwähnung wert.

Neuseeland ist wirklich ein Action-Land, und man ist stolz auf die unzähligen Angebote und Erfindungen, die einem den Adrenalinspiegel steigen lassen. I’ll be back for more Action. Aber jetzt auf nach Melbourne (via Auckland) und zu den Kängurus und Koalas. Shayne wartet schon.

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