Der wuide Booch vom Heiligen Tal

Der wuide Booch vom Heiligen Tal

Der Zug pfeift vom Tal herauf, als ich enttäuscht den Rückweg antrete. So habe ich mir das nicht vorgestellt. Mir ist es buchstäblich zum Kotzen. Ich habe wirklich einen Tiefpunkt – emotional wie körperlich. Es ist kein Heimweh oder ähnliches, aber mit der Gesamtsituation bin ich absolut unzufrieden. Nicht nur, dass uns der Kellner gestern Abend übers Ohr hauen wollte, im Essen war auch irgendwas, das mir nicht gut bekommen ist. Und jetzt stehe ich hier, mitten im Highlight von Südamerika, und mir ist speiübel. Ich brauche ein paar Minuten, bis ich mich wieder beruhigt habe.
Der Pfiff des Zuges ist längst verhallt, als ich zurück gehe und mich auf eine Bank setze. Im Tal unten ist nur noch das laute Rauschen des Río Urubamba zu hören, das Rauschen vom wuidn Booch vom Heiligen Tal.

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Mein Taxifahrer vom Hotel in Arequipa zum Flughafen hatte an diesem Freitagmorgen schwärmerisch von den drei Haus-Vulkanen von Arequipa erzählt und an einer Stelle mit einem guten Blick auf den Volcano Misti sogar von selbst angehalten und ein Foto von mir mit Vulkan gemacht. Dann ging es mit Peruvian Airlines nach Cusco, in die ehemalige Hauptstadt der Inkas. Der Flieger von Flo und Chris kam zwei Stunden nach dem meinigen an, und so hatte ich am Flughafen von Cusco ein bisschen Zeit für den Blog und zum Bildersortieren. Später wartete ich dann direkt neben dem Kerl von der Mietwagenfirma, der Flos Namen auf seinem Schild stehen hatte. In diesem Moment war ich mir nicht ganz sicher, ob die Idee mit dem Leihauto tatsächlich so eine gute Idee war. Der Verkehr in den letzten Tagen hat mich ein bisschen an Indien erinnert, und auch Tucktucks fahren hier herum, sogar ein bisschen aufgemotzter als in Indien. Aber im Nachhinein muss ich Flo meinen Respekt aussprechen, der den Verkehr wirklich hervorragend gemeistert hat.

Nachdem die Sache mit dem Mietwagen und auch dem Hotelparkplatz geregelt war, konnten wir endlich einchecken – im wahrscheinlich besten Hotel der Stadt, im Marriott. Man gönnt sich ja sonst nix. Ein super Hotel in den Gemäuern eines ehemaligen Klosters. Der Architekt hatte wirklich Händchen bewiesen, als das heruntergekommene Gebäude vor nicht mal zehn Jahren in ein Luxushotel umgewandelt worden war. Und das Frühstück erst!

Hotel Cusco

Die Plaza de Armas von Cusco ist, wie überall, umgeben von kolonialen Prunkbauten, der Kathedrale, einem Konvent und natürlich Restaurants. Massagen werden angeboten, ebenso wie Souvenirs und Fotos mit Lamas oder Alpakas. Wir haben es langsam angehen lassen, denn die beiden mussten sich ja erst noch an die Höhe gewöhnen, und außerdem kamen sie quasi direkt aus dem Büro. Ich kenne die beiden aus dem Landkreis Garmisch schon seit – wie wir festgestellt haben – über zehn Jahren. Bisher waren wir erst einmal zusammen auf einer Kreuzfahrt im Mittelmeer im Urlaub, aber auch dieser Trip nach Peru sollte ganz easy und ohne Zickereien verlaufen. Danke euch beiden, dass wir die Inkas gemeinsam erkunden konnten!

Cusco – Plaza de Armas
Cusco – Plaza de Armas

Am nächsten Morgen gab es erstmal ein ausgiebiges Frühstück im Hotel. Daran könnte man sich echt gewöhnen. Gegen neun haben wir uns dann auf den Weg zu den Rainbow Mountains gemacht. Man kann diese Tour über eine Reiseagentur buchen, aber dafür wollten sie pro Nase über 150 US-Dollar. Nachdem wir während der Vorbereitung ein bisschen gegoogelt hatten, haben wir herausgefunden, dass der Ausflug mit einem Mietwagen auch selbst gemacht werden kann. Zu Beginn der Fahrt war auch alles ganz einfach. Auf gut ausgebauten Straßen kamen wir gut voran. Dann kam die Abzweigung, und es wurde abenteuerlich. Zum Schluss fährt man auf schmalen Feldwegen über Serpentinen hinauf auf 4500 Meter. Man kommt vorbei an unzähligen Terrassen, die die Leute aus den Dörfern auch fleißig bewirtschaften. Manche sind nicht breiter als anderthalb Meter, aber trotzdem werden hier Kartoffeln, Bohnen, Quinoa, Mais oder sonstiges Gemüse angebaut. Immer mal wieder sieht man Mopeds am Straßenrad stehen, denn dann ist irgendwer auf der Terrasse darüber und darunter beim Jäten, Umgraben oder Ernten. Da wir die falsche Abzweigung genommen hatten, mussten wir ein junges Mädel und ihren kleinen Bruder nach dem Weg fragen. Da wir umdrehen und sie in die gleiche Richtung mussten, haben wir sie bis zur richtigen Abzweigung mitgenommen. Überhaupt ist es erstaunlich wieviel die Leute hier in Ermangelung eines Autos oder gar eines Mopeds zu Fuß gehen – wahrscheinlich war es bei uns vor 100 Jahren nicht viel anders. Obwohl hier fast ausschließlich Landwirtschaft betrieben wird, habe ich in der ganzen Woche, die wir in Peru waren, nur zwei Traktoren gesehen, und das waren noch relativ Kleine. Andererseits ist es natürlich verständlich, da man auf den engen Terrassen nicht mit schwerem Gerät herumfahren kann. Und so wird zum Beispiel Gras, Brennholz oder Bündel von Maistauden im Ganzen quer auf dem Fahrrad transportiert; kleinere Mengen auch einfach nur in einer auf den Rücken gebundenen bunten Decke. Die Kühe, Esel und Pferde stehen am Straßenrand oder auf Wiesen und sind an Bäumen oder Steinen angebunden. Das einzige was hier in Peru, und auch in Bolivien, frei herumläuft sind Hunde – abertausende! Ganz gleich ob in der Stadt oder auf dem Dorf, überall sind sie. Wenn sie miteinander balgen und streiten, rennen sie einfach auf die Straße und schauen überhaupt nicht mehr nach Autos. Aber was uns gewundert hat, war, dass wir keinen einzigen toten Straßenköter auf dem Seitenstreifen haben liegen sehen.

Nach über drei Stunden Fahrt waren wir dann schließlich am Ausgangspunkt für die Wanderung zu den Rainbow Mountains – pünktlich zum Start des Regens. Der Regen kam von vorn, die Hosen waren schnell nass (vom Regen!), und die Stimmung ein bisschen gedrückt. Die enorme Höhe machte uns außerdem sehr zu schaffen, und auch meine beiden Berggämsen aus dem Oberland mussten ganz schön schnaufen. Was allerdings auch noch von vorne kam, waren andere Touris, und als dann endlich der Regen aufgehört hatte, kam auch der Strom der uns entgegenkommenden Leute zum Erliegen. Und das wiederum hatte zur Folge, dass wir nach zwei Stunden Wanderung die Einzigen auf dem Berg waren. Nicht auszumalen, wie es gewesen wäre, wenn wir dort noch mit hundert anderen Leuten gestanden hätten. Ein scharfer Wind ging da oben, aber just mit uns kam die Sonne raus. Wir waren gegen 14 Uhr tatsächlich die Letzten an diesem Tag, denn nach uns packte selbst der Mann, der dort oben Süßigkeiten und Coca-Tee verkaufte, seine Sachen und machte sich auf den Heimweg.
Es war schon dunkel, als wir wieder in Cusco ankamen – alle gerädert, vor allem Flo, der uns zum Schluss noch durch den Samstagabendverkehr chauffieren musste.

Rainbow Mountain – Man beachte, diese Regenbogenfahne hat sieben und nicht sechs Farben, und sie steht für das Inkareich
Rainbow Mountain
Rainbow Mountain
Rainbow Mountain
Rainbow Mountain – Rückfahrt

Der nächste Tag war ein bisschen entspannter. Erstmal ausschlafen und das üppige Frühstück genießen. Dann ging’s ins Heilige Tal der Inkas. Der erste Stopp in Chinchero war eher unspektakulär. Die Spanier haben den Sommerpalast platt gemacht und stattdessen eine Kirche hingestellt, aus der an diesem Sonntagmorgen frommer Gesang zu uns herüber drang. Beim nächsten Halt in Moray gab es nicht unbedingt mehr zu sehen, aber der war ziemlich interessant. Was ein bisschen wie ein Amphitheater aussieht, war in Wirklichkeit ein landwirtschaftliches Forschungsgebiet. Auf den verschiedenen Terrassen, die alle im Kreis angeordnet waren, wurden verschiedene Mikroklimazonen simuliert. Durch den teilweise erheblich eingeschränkten Luftaustausch in den untersten Schichten können diese Klimazonen erst entstehen. Drei solcher Dolinen haben die Ingenieure seinerzeit auf 3500 Metern angelegt. Mit einem ausgeklügelten System an Kanälen war die Wasserversorgung gewährleistet, und wenn eine wasserführende Schicht eines nahegelegenen Berges nicht vor 50 Jahren umgeleitete worden wäre, dann könnte auch heute noch Obst und Gemüse angebaut werden.

Moray

Auf der Weiterfahrt haben wir eine alte Frau mitgenommen, die am Wegesrand saß. Holla, die hatte ein G’schmäckle an sich; wir haben das Fenster auf und die Klimaanlage aus machen müssen. Die Schürze stand vor Dreck, die Fingernägel schon seit Ewigkeiten nicht mehr geschnitten, Schuhe hatte sie keine, stattdessen getrockneten Schlamm an den Zehen. Während der Flo mit einem Affenzahn die Serpentinen nach Urubamba hinunter gefahren ist, hat die Frau Reis aus einer Plastiktüte gegessen, die sie in ihrer Schürze hatte, und natürlich eine Sauerei damit gemacht. Sie konnte quasi kein Spanisch, daher war die Kommunikation recht schwer.

Von Urubamba, nachdem wir die alte Frau ausgeladen hatten, sind wir aber schnell wieder geflüchtet. Es war Faschingssonntag und die Jugend der Stadt ist auf Pickups herumgefahren und hat die Leute mit Wasserbomben beworfen, und wenn man die abgeschüttelt hatte, kamen die Kleinen auf einen zu und haben mit Schaum aus der Spraydose herumgesaut. Also sind wir weiter Richtung Ollantaytambo, die Stadt, in der wir auch unser Hotel für die kommende Nacht hatten. Unterwegs haben wir in einer Cervezería Halt gemacht, wo meine beiden Reisegefährten ein Heilig-Tal-Bierchen zischten. Währenddessen wurden wir von einem Reiseführer über das Leben im Allgemeinen sowie über Muschis und die Sehenswürdigkeiten der Gegend im Besonderen totgequatscht. Wenigstens bei der Sache mit den Sehenswürdigkeiten konnten wir noch was von ihm lernen, weshalb wir dann auch recht schnell die Fliege gemacht und uns die Festung von Ollantaytambo angeschaut haben. Natürlich haben die Inkas auch hier wieder Terrassen angelegt, und von dort oben hatten sie einen strategisch günstigen Blick in ihr Valle Sagrado.

Markt Urubamba – kurz vor unserer Flucht
Ollantaytambo
Ollantaytambo – Strategischer Blick ins Heilige Tal
Ollantaytambo
Ollantaytambo
Ollantaytambo

Das Hotel in Ollantaytambo war direkt im Bahnhofsgebäude untergebracht. Das war einerseits sehr gediegen, andererseits aber auch ein bisschen schlafraubend, denn die Züge wurden schon ab kurz nach drei herumrangiert. Als Flo am nächsten Morgen aufgestanden ist und aus dem Fenster geschaut hat, war sein erster Ausspruch: „A Booch!“ Ich habe es erst gar nicht verstanden, was er meinte, bis mir Chris die Übersetzung lieferte. Ein Bach. Und noch ein wilder dazu. Der Río Urubamba fließt durch das Heilige Tal bis hinunter nach Aguas Calientes und war zum Zeitpunkt unserer Reise bis oben hin voll.

Hotel Ollantaytambo

Auf Geheiß des geschwätzigen Reiseführers hin haben wir dann also Pisaq besucht. Eine Anlage – wie soll es anders sein – oben am Berg und mit unzähligen Terrassen. Die Anlage ist schön gelegen, und als wir um den Berg herumgegangen sind, kam es uns fast ein bisschen vor wie in Machu Picchu.

Pisaq
Pisaq
Pisaq – fast wie Machu Picchu

Nachmittags um zwei waren wir zurück in Ollantaytambo, denn um halb fünf war Abfahrt für unseren Zug nach Aguas Calientes. Dorthin kommt man nicht anders als mit der Eisenbahn, und das lassen sie sich auch zahlen. Für eine einfache Fahrt (43 Kilometer) verlangen die beiden Gesellschaften 60 US-Dollar aufwärts. Dafür gibt’s zwar einen flugzeugähnlichen Bord-Service, doch auf den könnte man auch gern verzichten. Die Züge werden dafür gelobt, dass sie pünktlich fahren, aber ehrlich gesagt bleibt ihnen auf dieser eingleisigen Strecke mit nur wenigen Querstellen gar nichts anderes übrig. Die Regelung, nur acht Kilo im Zug mitnehmen zu dürfen, ist von einigen grob verletzt worden, aber das hat keinen gestört. Die Strecke führt am wuidn Booch entlang, der tatsächlich einige heftige Stromschnellen hat, hinunter ins über 700 Meter tiefer gelegene Aguas Calientes. Je näher man der teuersten Kleinstadt Perus kommt, desto mehr erinnert die Vegetation an einen Regenwald.

Wolken hingen bei unserer Ankunft über der Stadt, die eingekeilt zwischen hohen Bergen liegt. Der Weg zum Hotel führte zwangsläufig durch ein Wirrwarr an Souvenirshops, und dann war auch schon wieder der Río Urubamba zu sehen und zu hören, von dem man im direkt daneben gelegenen Hotel geradezu meinen könnte, die Klimaanlage im Zimmer gebe gleich den Geist auf.

Nach einem kurzen Infogespräch mit Jonatan, unserem morgigen Guide, haben wir uns Bustickets für die Fahrt hinauf nach Machu Picchu gekauft. Die 24 Dollar sollten sich später als sinnvolle Investition herausstellen. Auf der Suche nach etwas zu essen, gingen wir durch die touristischste Stadt meiner ganzen bisherigen Reise und entschieden uns schließlich für das falsche Restaurant, in dem ich irgendwas gegessen habe, das mir den nächsten Tag gehörig vermiesen würde.

Schon das Aufstehen fiel mir schwer, und zum Frühstück, das passenderweise bereits ab 5 Uhr serviert wird, konnte ich nur ein bisschen was trinken. Um kurz nach halb sechs waren wir an der Bushaltestelle und haben uns in die gut 200 Meter lange Schlange eingereiht; laut Jonatan kann die Schlange in der Hochsaison auch gern mal die fünffache Länge haben. Ein Bus nach dem anderen hat die Leute im Akkord hinauf nach Machu Picchu gebracht, und deshalb war die Wartezeit mit etwa 20 Minuten kürzer als befürchtet. Oben angekommen war die Schlange an der Eintrittskontrolle nicht sehr schlimm, und Jonatan führte uns gleich an jene Stelle, an der jeder ein Bild macht – das typische Bild, das jeder kennt, mit der kompletten Ruinenanlage und Huayna Picchu im Hintergrund. Das Problem war nur: wir haben nichts gesehen! Nada! Alles im Nebel. Die Sicht betrug vielleicht 20 Meter. Nicht ein Stein der Ruine war zu sehen.
Als sich nach gut fünf Minuten tatsächlich eine Lücke in den Wolken auftat, ging ein erfreutes Raunen durch die Menge. Aber Jonatan sollte Recht behalten, dass sich der Nebel im Laufe des Vormittags noch ganz verziehen möge.

Während wir dann, in der Nebelsuppe stehend, Jonatans Erklärungen lauschten, meldete sich mein Magen. Die abgelegenen Büsche dankend ausschlagend bin ich mit Jonatan zurück zum Eingang zu den Toiletten, die sich außerhalb befinden. Als wir wieder zurück in die Anlage sind, musste Jonatan den Kerl an der Kontrolle bitten, mein Ticket kein zweites Mal abzustempeln, denn der Eintritt ist innerhalb der Besuchszeit auf zwei begrenzt. Tickets für Machu Picchu muss man im Voraus buchen und kosten 200 Soles (etwa Euro) inkl. Besuch des Huayna Picchu. Wir haben die Karten über das Hotel, das wir in Aguas Calientes hatten, bezogen, aber man kann sie genauso gut online bestellen. Die Anzahl der Besucher pro Tag ist begrenzt, und darum sollte man sich vor allem in der Hauptsaison Wochen oder gar Monate zuvor darum kümmern. Außerdem muss man sich vorab festlegen, in welchem Zeitraum man Machu Picchu besuchen will; entweder von 7 bis 12 oder von 12 bis 5, auch für die Besteigung des Huayna Picchu gibt es Zeitfenster zur Auswahl. Angeblich braucht man seit neuestem auch einen Guide, wenn man auf die Zitadelle gelassen werden will, aber das hat am Einlass keinen interessiert. In Machu Picchu ist ein Rundgang angelegt, an den man sich zu halten hat (Aufpasser achten darauf, dass man nicht in die falsche Richtung geht), aber wieviel Zeit man letztlich bleibt, kann man – vor allem beim zweiten Eintritt – selbst bestimmen. Beim ersten Eintritt war Jonatan dabei und beim zweiten waren wir alleine drin und konnten nach Belieben stehen bleiben und Fotos knipsen. Wir waren im Februar zur Regenzeit Peru und haben die erste Besucherschicht genommen, wobei es ab Mittag wesentlich ruhiger geworden wäre, weil dann die meisten schon wieder zurück nach Ollantaytambo bzw. Cusco fahren.

Zurück am Aussichtspunkt bei Flo und Chris war die Sicht inzwischen schon deutlich besser, aber ich war immer noch ziemlich schlapp. Beim Gang durch die Ruinen hat unser Guide von den Menschen erzählt, die hier lebten, was sie glaubten, wie sie feierten. Normalerweise bin ich für solche Informationen immer sehr empfänglich, doch diesmal bin ich nur wie ein kleines Hündchen hinterher gedackelt. Zwischen acht und zehn durften wir hinauf auf Huayna Picchu, also den Berg im Hintergrund von Machu Picchu, aber hier habe ich endgültig abgebrochen – der Weg ist steil und eng, selbst wenn der Ausblick absolut lohnend sei. Ich war richtig enttäuscht.
Auf einer Bank wartend und versuchend nicht zu kotzen sind die drei zwei Stunden später vom Berg zurück gekommen und wir haben uns durch weitere Ruinen den Weg zum Ausgang erkämpft. Nach einer Cola sind wir natürlich nochmal rein und haben die obligatorischen Fotos gemacht – das musste dann doch noch sein.

Machu Picchu
Machu Picchu
Machu Picchu – der wuide Booch
Machu Picchu

Dass Machu Picchu so gut erhalten ist, hat es dem Umstand zu verdanken, dass die Spanier der Anlage nie ansichtig geworden sind. Erst am 24. Juli 1911 wurde es durch einen expeditionsunerfahrenen jungen Yale-Professor eher zufällig entdeckt. Hiram Bingham hieß der Glückspilz. Vermutlich aufgrund der Ankunft der Spanier ist Machu Picchu im 16. Jahrhundert verlassen worden, ohne komplett fertiggestellt worden zu sein. Bei der Wiederentdeckung war Machu Picchu komplett zugewachsen, und noch ist nicht alles ausgegraben, denn man befürchtet, dass der Hang bzw. Teile davon abrutschen würde. Machu Picchu (Quechua für ‚alter Gipfel‘; Huayna Picchu bedeutet ‚junger Gipfel‘) war eine Sommerresidenz des Inka (Inka wurde seinerzeit nur der König genannt, nicht aber das Volk) und wurde zur Blütezeit wohl von 1000 Menschen bewohnt. Dazu gehörten nicht nur der Hofstaat, der Adel und der Klerus, sondern auch Handwerker, die an der Anlage bauten. Die Zitadelle Machu Picchu, deren richtigen Namen man nicht kennt, liegt auf 2430 Metern über dem Meer. Der Bau aller Inkastätten und die komplette Zivilisation sind umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass die Inkas kein Eisen kannten, sondern nur Kupfer und Bronze für Werkzeuge und Waffen hatten. Sie hatten mit einer Länge von 40.000 Kilometern ein Straßennetz, das länger als das römische war, und dabei wurde es komplett fußläufig genutzt, weil ihnen Reittier, Rad und Wagen unbekannt waren. Die Lamas und Alpakas wurden lediglich als Lasttiere genutzt.

Im Bus nach unten hab ich erstmal eine Weile gebraucht, bis ich wieder Luft bekommen habe. Um die Zeit bis zur Abfahrt des Zuges zu nutzen, haben wir uns in ein Café gesetzt, wo ich natürlich eingepennt bin. Im Zug selbst ist es dann auch recht schnell still geworden, denn alle waren müde und erschöpft. Vor allem den Flo hat’s gefreut, denn so haben die Italienerinnen, die bei der Hinfahrt schon die ganze Zeit lautstark Kreuzworträtsel gelöst haben, auch einfach die Klappe gehalten.

Nach einer für mich zum Glück durchgeschlafenen Nacht in Ollantaytambo haben wir die Koffer gepackt und sind zurück zum Flughafen nach Cusco gefahren. Von dort sind wir in die Hauptstadt Lima geflogen und haben uns ein paar entspannte Tage gegönnt. Flo und Chris sind bis zu ihrem Heimflug noch zwei Tage länger geblieben, aber für mich hieß es auf nach Ecuador – ohne wuidn Booch aber dafür mit leisem Meeresrauschen.

Lima – Katedrale und erzbischöflicher Palast
Lima – Strand Miraflores

Ein Gedanke zu „Der wuide Booch vom Heiligen Tal

  1. Lieber Dominik, ich warte und lese und warte und lese. Man müsste fast „Sucht“ dazu sagen, denn Deine Erfahrungen und Erlebnisse sind lesenswert und sehr interessant. Es gehört alles geplante und ungeplante dazu: Ob ein „öder“ Reiseführer Namens Peter, eine alte Dame mit einem Alpaka, welche von den Touristen gemieden wird, Deine tollen Beschreibungen zur Sonneninsel mit ihrem eigenen Zeitempfinden oder Du mit La Paz. Alles ist wunderbar ge- und beschrieben und ich bin dabei. Das Dein Magen aus unerfindlichem und nur vermutetem Grund „mal einen schlechten Tag“ hatte, dass darfst du ihm verzeihen. Er erlebt schließlich auch sehr viel mit Dir und stellt sich von jetzt auf gleich um. Hab Nachsicht und sei zuversichtlich mit ihm. Ich freue mich auch sehr für Dich, dass Du die Möglichkeit hast, Freunde zu treffen und Du Dich an den neuen, gewohnten Dialekt gewöhnen musst. Wuider Booch…ich musste herzlich lachen. Ich hatte kürzlich in Garmisch mit Kollegen verschiedene Gespräche und auch da ging es beiläufig um den „Wuiden Booch“…im Laufe des Gespräches stellte ich zeitig fest, um WAS es eigentlich ging…niedlich…! Beim Gespäch um den wuiden Booch hattest Du den wuiden Moogn…also geteiltes Leid usw…!

    Dominik, hab weiterhin viel Spaß auf Deiner Weltreise, die schon fast drei Monate andauert. Du machst das super! Ich bin stolz auf Dich und freue mich auf den nächsten Beitrag von Dir. Viele Grüße, Daniel

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