El fin del mundo

El fin del mundo

Dunst liegt über der Stadt. Ein Dunst, von dem man meinen könnte, es würde brennen. Aber es riecht nicht nach Brand. Im Gegenteil. Ein Hauch von Meer und eine ungewohnte Kühle liegen in der Luft, als ich an diesem Dienstagabend in Ushuaia ankomme. Auf dem Weg ins Hotel wird mir klar, woher der Dunst kommt: Es ist Staub, der in der Luft liegt.

Das Hotel liegt auf einer Anhöhe und von dort oben sieht man es noch besser. Hier und da steigen Staubsäulen auf, die von Autos verursacht werden, die mit einem Affenzahn über diese staubigen Schotterstraßen düsen. Natürlich besteht nicht die ganze Stadt aus ungeteerten Straßen, aber hier oben am Hotel, etwas außerhalb, ist alles eingestaubt.

Fabiano und seine Schwester Carol waren schon am Vormittag angekommen. Sie hatten sich mit dem Mietwagen auf in die Stadt gemacht und Touren herausgesucht, die sie unternehmen wollen. Als ich schließlich abends eingetroffen bin, waren sie gerade auf einer Offroadtour mit einem Allradjeep. Ich hatte mich unterdessen um meinen Blog gekümmert und bin im Restaurant zum Essen gegangen. Erst als sie nachts um elf wieder zurückgekommen sind, haben wir uns gesehen. Und dann habe ich auch Carol kennengelernt, die ich zuvor nicht gekannt hatte.

Fast scheint es mir, als hätten die beiden gedacht, dass man irgendwelchen Tourenanbietern das Geld in den Rachen schmeißen muss. Touren, die man genauso gut selber machen kann – zumal wir ja ohnehin einen Mietwagen hatten. Aber sie haben sich am Tag ihrer Ankunft nicht anders zu helfen gewusst und geführte Touren in den Nationalpark und zur Laguna Esmeralda gebucht. Das einzige, was ich mir gebucht habe, war eine Bootsfahrt zu den Pinguinen, bei der auch die beiden dabei waren. So habe ich mich also alleine mit dem Mietwagen auf den Weg in den Nationalpark Tierra del fuego gemacht, während Fabiano und Carol das Ganze geführt serviert bekommen haben.

Ushuaia ist die südlichste Stadt der Welt und liegt am Beagle-Kanal. Naja, das chilenische Puerto Williams liegt noch südlicher, aber ist offiziell keine Stadt, sondern nur ein Dorf. Obwohl es eigentlich Hochsommer ist, pfeift hier unten ein ordentlicher Wind und ist es ziemlich kühl. Der Nationalpark liegt westlich der Stadt, und es gibt Seen und viel Natur. Eine Dampfeisenbahn, die vor langer Zeit von Sträflingen gebaut worden war, führt etwa zwei Kilometer in den Park hinein. Ich bin froh, dass ich sie nicht genommen habe, denn wie die beiden Brasilianer mir hinterher erzählt haben, ist es das absolut nicht wert. Nach den besagten zwei Kilometern ist man immer noch im Eingangsbereich des Parks und hat quasi nicht viel gesehen. Der Preis von 800 argentinischen Pesos (ca. 30 Euro) ist aber die eigentliche Unverschämtheit. So gern ich auch mit der Bahn fahre, aber diesen Zug braucht kein Mensch. Patagonien ist ohnehin schon teuer genug!

Ushuaia – Nationalpark Tierra del Fuego
Ushuaia – Nationalpark Tierra del Fuego
Ushuaia – Nationalpark Tierra del Fuego
Ushuaia – Nationalpark Tierra del Fuego
Ushuaia – Nationalpark Tierra del Fuego
Ushuaia – Vogel im Nationalpark
Ushuaia – Nationalpark Tierra del Fuego
Ushuaia – Nationalpark Tierra del Fuego

Da für den späten Nachmittag die Bootsfahrt zu den Pinguinen geplant war, hatte ich nicht viel Zeit, aber sonderlich viel gibt es auch nicht zu sehen. An einem See, der sich bis hinüber nach Chile erstreckt, bin ich ein bisschen gewandert und dann ging’s weiter zu diversen Lagunen und Aussichtpunkten. Und ganz hinten ist das Ende der Nationalstraße 3, die bis in die Hauptstadt führt. 3079 Kilometer sind es von hier bis nach Buenos Aires.

Zurück in der Stadt habe ich Fabiano und Carol wieder getroffen, und wir sind mit dem Boot zu den Pinguinen gefahren. Der Weg hierher ist weit. Zwei Stunden sind die Watschler von der Stadt entfernt. Aussteigen durften wir nicht, aber dafür ging’s mit dem Katamaran direkt an den Strand und wir waren den kleinen Kerlchen ganz nah. Pinguine mit schwarzen Füßen und Schnäbeln habe ich ja schon in Simon’s Town in Südafrika gesehen, aber die hier haben orangefarbene. Schon lustig, wie sie hier bei unwirtlichem Wetter miteinander leben und streiten, während sie von uns überhaupt keine Notiz nehmen. Die sind halt Touris gewohnt.

Ushuaia – Seelöwen
Ushuaia – Pinguine
Ushuaia – Pinguine auf der Isla Martillo
Ushuaia – Pinguine auf der Isla Martillo

Am Tag drauf habe ich mit zwei Israelis, die ich in der Stadt kennengelernt hatte, einen Ausflug zur Laguna Esmeralda gemacht. Fabiano und Carol haben das Ganze unverständlicherweise in einer Tour gemacht. Der einzige Unterschied war, dass sie Wanderstöcke und ein Lunchpaket bekommen haben. Auf dem Weg zur Lagune – bei uns würde man Bergsee dazu sagen – konnten wir auch sehen, was für Auswirkungen ein großer Fehler vor gut hundert Jahren bis heute hat. Um die Jahrhundertwende holte man kanadische Bieber nach Patagonien, um sie hier anzusiedeln und deren Fell zu verwenden. Man hatte allerdings nicht bedacht, dass die Winter in Kanada härter sind und die Bieber dort oben im Norden ein viel dickeres Fell bekommen. Als man das erkannt hatte, wurden die Tiere uninteressant, und seitdem vermehren sie sich wie die Karnickel, auch weil sie keine natürlichen Feinde haben. Als Folge hat man heute haufenweise tote und abgestorbener Bäume und darüber hinaus Bieberdämme, die ganze Landschaften verändern. Ähnlich hatte man es mit Kühen und Pferden gemacht, die europäische Siedler mitgebracht hatten, während die ursprünglichen Bewohner Patagoniens ausgerottet wurden. Heute hat man stattdessen wilde Kühe und Pferde, die kaum mehr einzufangen sind.

Die Laguna Esmeralda war trotzdem eine Wanderung wert, denn das Wasser ist, wie oft in patagonischen Seen, milchig-blau. Wäre es 15 Grad Celsius wärmer, könnte man meinen, man sei in der Karibik.

Ushuaia – Auf dem Weg zur Laguna Esmeralda
Ushuaia – Da hat der Bieber ganze Arbeit geleistet
Ushuaia – Abfluss der Laguna Esmeralda
Ushuaia – Abfluss der Laguna Esmeralda
Ushuaia – Laguno Esmeralda
Ushuaia – Lagua Esmeralda

Tags drauf ging unser gemeinsamer Flug ins 570 Kilometer entfernte El Calafate und von dort zu weiteren Highlights Patagoniens, wo es dann auch keinen Staubdunst mehr in der Luft hatte.

Kommentare sind geschlossen.