Kiwis und Hobbits

Kiwis und Hobbits

Schon auf Bora Bora hatte ich Kontakt mit Jayp, der mich über Couchsurfing angeschrieben und mir angeboten hatte, mich aufzunehmen. Da haben ich und mein schwäbischer Geldbeutel nicht Nein gesagt, denn Couchsurfen ist kostenlos. Also habe ich mir nach meiner Ankunft um neun Uhr abends vom Flughafen Auckland den Bus in die Stadt geschnappt, und am Sky Tower, dem mit 328 Metern höchsten Fernsehturm der südlichen Hemisphäre, hat mich Jayp mit dem Auto abgeholt. Er wohnte ein bisschen außerhalb der Stadt und so fuhren wir über die Harbour Bridge ins nördlich von Auckland gelegene Forest Hill.

Am nächsten Tag musste er natürlich in die Arbeit, aber er hat mir den Schlüssel da gelassen und ist abgedüst. Ich habe es langsam angehen lassen und bin dann mit dem Bus (seine aufladbare Chipkarte hat er mir auch noch gegeben) in die Innenstadt. Gerade noch rechtzeitig bin ich unten am Hafen zur Free Walking Tour angekommen. Die Einführung und den Namen der Führerin habe ich verpasst, aber der Rest der zweistündigen Tour war echt super, denn sie hat uns Einblicke nicht nur in die Stadt, sondern auch ins Land gegeben.

Die Māori waren die ersten, die das Land vermutlich im 13. Jahrhundert in mehreren Wellen besiedelt haben. Neuseeland wird ebenfalls Polynesien zugerechnet und ist damit die südlichste Ecke im polynesischen Dreieck. Auf der Suche nach dem großen südlichen Kontinent, quasi als Gegengewicht zum europäischen Kontinent, haben die Holländer im 17. Jahrhundert nach Land gesucht (als ob Australien nicht schon groß genug gewesen wäre!), und so ist der Niederländer Abel Tasman 1642 auf Neuseeland gestoßen, konkret die heutige West Coast auf der Südinsel. Ein späterer holländischer Entdecker hat das Land dann benannt. Australien hatte zu diesem Zeitpunkt auch einen holländischen Namen (Nieuw Holland) und daher war es ja logisch, dass sie Neuseeland auch nach einem Landstrich von zu Hause benennen: Nieuw Zeeland. Als dann die Briten kamen haben sie New Zealand draus gemacht. Auf Māori heißt das Land Aotearoa.

Das Verhältnis mit den Māori war natürlich nicht immer gut. Es gab kriegerische Auseinandersetzungen und natürlich Sprachbarrieren, die erst von einem Polynesier, der auch Englisch sprach, behoben werden konnten. Die Māori waren dann irgendwann einverstanden, dass die Briten weitere Angehörige ihres Stammes bringen mitdurften, aber dass es sich dabei um Abertausende Menschen handelte, damit hätten die Māori nicht gerechnet. Und so haben diese Abenteurer das Land überrannt. Auch um die Kolonialisierung durch die Franzosen zu verhindern, wurde dann 1840 der Vertrag von Waitangi zwischen den Māori und der Britischen Krone unterzeichnet. In diesem Vertrag gaben die Māori ihre Souveränität auf und bekamen dafür Bürgerrechte zugesichert. Die Franzosen haben die Südinsel zwar trotzdem erreicht, aber da ihnen die Briten zuvorgekommen waren, ging ihr Plan nicht auf. In Akaroa durften sie sich niederlassen, was noch heute am Stadtbild erkennbar ist.

An verschiedenste Stellen hat uns unsere namenlose Führerin durch die Stadt mitgenommen, und uns davon erzählt, wie der Hafen aufgeschüttet wurde, um die Ladung der Schiff leichter zu löschen. Von großen typisch neuseeländischen Bäumen (Kauri), von den einen Kiwis (Vögel) im Allgemeinen und von den anderen Kiwis (Neuseeländer) im Besonderen, vom Frauenwahlrecht, das in Neuseeland bereits ab 1893 für alle Frauen galt (Deutschland 1918), und von der Tatsache, dass neuseeländische (wie auch australische) Münzen in Kanada geprägt werden. Und auch die Frage nach der Unabhängigkeit Neuseelands konnte geklärt werden: es gibt sie nicht. Bis heute ist Neuseeland nicht von der Britischen Krone unabhängig. Die Lisbeth im Buckingham-Palast ist nach wie vor Staatsoberhaupt der Neuseeländer, allerdings vertreten durch Generalgouverneurin Patsy Reddy (die erst kürzlich ihre Schwangerschaft bekanntgegeben hat, verbunden mit einem Aufschrei der Ewiggestrigen).

Auckland – Eulen zugunsten der Kinderkrebsstiftung
Auckland – Typisch neuseeländischer Kauri-Baum

Im Stadtgebiet von Auckland liegen 53 inaktive Vulkane, und auf einen davon, den Mount Eden, bin ich nach der Tour auch raufgestiegen, inklusiv tollem Blick auf die Stadt. Oben auf dem Berg habe ich auch noch einen Deutschen (Wie soll es auch anders sein? Deutsche Urlauber und Backpacker gibt es hier wie Sand am Meer!) getroffen, der mir ein paar hilfreiche Tipps fürs Reisen durch Neuseeland gegeben hat. Überhaupt könnte man diesen Beitrag auch mit ‚Planlos – Teil 2‘ überschreiben, denn den Mietwagen für meinen Trip habe ich mir erst an diesem Abend gebucht. Und die einzelnen Tagestouren und Unterkünfte immer erst am jeweiligen Tag davor.

Auckland – Mt. Eden

Zurück in Downtown Auckland bin ich noch durch die Stadt geschlendert, habe mich mit Jayp zum Abendessen getroffen, und dann ging’s zurück nach Forest Hill.

Am nächsten Morgen habe ich meinen Rucksack gepackt und mich auf den Weg zum Flughafen gemacht, um dort mein Auto abzuholen. Es war schon nach zwölf als ich endlich loskam. Meine erste Station war Cathedral Cove auf der Coromandel-Halbinsel. Weil man am Ausgangspunkt für die Wanderung nicht Parken darf, wurde unten im Dorf ein Parkplatz angelegt. Bis zum Strand von Cathedral Cove ist es dann etwa eine Stunde Fußweg. Ein toller Ort, an dem zwischen zwei Stränden ein natürlicher Durchgang im Fels ist, so groß wie eine Kathedrale.

Cathedral Cove – auf dem Weg dorthin
Cathedral Cove – auf dem Weg dorthin
Cathedral Cove
Cathedral Cove

Anschließend bin ich ein paar Kilometer zum Hot Water Beach weitergefahren und habe mir in einem Schlafsaal eines Campingplatzes ein Bett gemietet. Wie der Name schon sagt, ist zwar nicht das Meer an diesem Strand heiß, dafür aber Quellen, die unter dem Sand liegen. Man kann sich für ein paar Dollar einen Spaten ausleihen, Löcher am Strand damit buddeln, und sich ins Quellwasser legen. Allerdings sollte man ein bisschen Meerwasser in die selbstgemachten Badewannen lassen, denn sonst würde man sich verbrühen.

Hot Water Beach

Für die Mädels, mit denen ich im Schlafsaal war, ging der Bus bereits um kurz nach sieben, und so konnte ich in aller Ruhe aufstehen, um nochmal an den Strand runter zu gehen und dann weiter zur Karangahake-Schlucht zu fahren. Wie an so viele Orte in Neuseeland hat es die Leute hierher gezogen, weil man Gold gefunden hatte. Heute kann man durch die Stollen im Berg gemütlich spazieren, die Reste der Minen- und Verarbeitungsanlagen bestaunen, und durch einen ein Kilometer langen ehemaligen Eisenbahntunnel gehen. Ein Stückchen weiter gab es einen netten kleinen Wasserfall zu sehen, aber dann war es Zeit Richtung Matamata zu fahren; morgen habe ich ein Date mit den Hobbits.

Karangahake Gorge – Verlassene Mienenanlage
Karangahake Gorge – Ehemaliger Eisenbahntunnel
Karangahake Tal – Owharoa Falls

Zu meinem Motel außerhalb der Stadt, in dem ich einen Schlafsaal für mich alleine hatte, gehörten heiße Quellen, und da habe ich am Abend natürlich noch ein bisschen gebadet. Tags drauf um halb zehn war in einem Hobbithaus (in normaler Größe) in Matamata das Treffen für die Abfahrt des Busses zum Filmset. Auf der Fahrt hat die Busfahrerin, eine Australierin, ein bisschen geplaudert und erzählt, dass um Matamata herum hauptsächlich Landwirtschaft betrieben wird und man sich mit der Zucht von Vollblutpferden einen Namen gemacht hat. Nach einem kurzen Stopp ging die Fahrt weiter auf die Alexander Farm, auf der ab 1999 mit Hilfe der neuseeländischen Arme das Auenland und inzwischen insgesamt 44 Hobbithäuser aufgebaut wurden. Das Filmset von Hobbiton ist dabei nur eines von vielen, die über ganz Neuseeland verstreut sind.
Ich gebe zu, dass ich bisher weder ein Buch noch irgendeinen Film aus den Herr der Ringe– bzw. Hobbit-Trilogien gelesen oder gesehen habe. Und ich war damit in guter Gesellschaft, denn angeblich geht es 40% aller Besucher genauso.
Nach einer kurzen Einführung hat uns unsere Führerin Lucy mitgenommen, hinein nach Hobbiton. Und ich muss echt sagen, es war toll! Die kleinen Häuschen, die Gärten mit richtigem Gemüse, die Hobbit-Wäsche auf der Leine zum Trocknen, die Briefkästchen, der kleine Teich, das ganze Gelände. Noch dazu hat die Sonne geschienen und das Dorf in ein sattes Grün gehüllt. Sogar ich kannte diese Bilder aus dem Fernsehen.
Die Häuser sind natürlich alle Attrappen. Was im Innern der Häuser zu sehen war, wurde im Studio gedreht. Außerdem waren die Häuser unterschiedlich dimensioniert. Es gab solche, die zu 90%, und solche, die zu 60% einem Original entsprochen hätten. Die großen Häuser hat man in Szenen benutzt, in denen die Hobbits davor standen um diese kleiner wirken zu lassen, und die kleinen Häuser in Szenen mit Gandalf, um ihn größer aussehen zu lassen. Der Baum oberhalb von Frodos Höhle ist gänzlich künstlich wobei jedes Blatt einzeln angebunden wurde! Das war deshalb notwendig, weil der Hobbit natürlich früher gespielt hat aber 12 Jahre nach dem Herrn der Ringe abgedreht worden ist; der Baum musste daher kleiner sein. Zum Schluss der Tour gab es einen Trunk im Grünen Drachen.

Hobbiton
Hobbiton
Hobbiton
Hobbiton
Hobbiton – Auenland
Hobbiton – Frodos Höhle
Hobbiton
Hobbiton

Zurück in Matamata habe ich mir was zum Essen geholt und bin weiter nach Rotorua gefahren. Auf dem Weg dorthin gab es OGO-Bälle, mit denen man den Berg herunterrollen konnte. Es war zwar scheißeteuer, aber saugeil! Für anderthalb Minuten Spaß musste man 60 Neuseeland-Dollar hinblättern, aber dafür konnte man danach noch ins Hot Tub.

Rotorua – OGO. Da komm ich den Berg runter

Schon auf der Fahrt hinein nach Rotorua, war zu sehen und vor allem zu riechen, wofür die Stadt bekannt ist. Es stinkt nach Schwefel. Ein Geruch von faulen Eiern liegt über dem Kurort, schwefliger Dampf strömt aus Gullys, Tümpeln und Erdspalten. Es blubbert aus Schlammlöchern im städtischen Kuirau-Park und an den Ufern des Lake Rotorua. Für die Nacht habe ich hier in einem Backpacker-Hostel Quartier genommen und am nächsten Morgen ein angeblich typisches Māori-Dorf besucht. 40 Dollar nehmen die hier für den Eintritt inklusive einer kleinen Tour; da schluckt man mal schnell. Das Dorf hat den unaussprechlichen Namen Te Whakarewarewatanga O Te Ope Taua A Wahiao, was ‚Der Versammlungsplatz für die Kriegszüge von Wahiao‘ bedeutet, aber gemeinhin wird der Ort mit Whaka abgekürzt (die wh-Verbindung wird wie eine Mischung aus w und f ausgesprochen, also heißt das Dorf so ein bisschen wie Fucker). Michael, der eigentlich anders hieß, aber auch dieser Name war für eine europäische Zunge nicht aussprechbar, führte uns über eine Brücke in das Dorf, in dem er auch tatsächlich mit seiner Familie und seiner ganzen Sippe wohnt. Über dem ganzen Ort hängt ein permanenter Dampf, der aus den kleinen Seen aufsteigt. Eines der Häuser darf nicht mal abgerissen werden, zu gefährlich wäre es, dass die Erde unter dem Haus einbricht und damit Haus und Arbeiter in den blubbernden Schlamm fallen. Im ganzen Dorf verteilt gibt es kleine Wasserlöcher, in denen klares, siedend heißes Wasser sprudelt. Für die Touri-Gäste werden darin Maiskolben gekocht und verkauft. Salz muss über die Kolben nicht mehr gestreut werden, das Wasser hat bereits einen gewissen Salzgehalt. Aus einem anderen Loch steigt lediglich Wasserdampf auf, aber dennoch wird hier, zudeckt mit einem Brett, Gemüse gedünstet. Das heiße Wasser wird natürlich auch zum Baden verwendet.

Rotorua – Whaka-Dorf – Brodelnder Teich
Rotorua – Whaka-Dorf – Natürllicher Dünstautomat
Rotorua – Whaka-Dorf – Schlammsee

Einige Meter weiter gab es den Pohutu Geysir, den mit 30 Metern höchsten Geysir Neuseelands, der ohne Eingriffe von außen alle 45 bis 60 Minuten ausbricht. Am Ende der Tour wurden wir alle noch zu einer folkloristischen Tanzvorführung eingeladen, die ich mit einer gewissen Skepsis angenommen habe. Auf einer kleinen Bühne haben ein paar Dorfbewohner Māori-Tänze aufgeführt, die mal ganz wild und kämpferisch waren, und dann wieder ganz ruhig wie ein Liebeslied. Die Vorführung habe ich halt über mich ergehen lassen, bin noch ein bisschen am großen Schlammsee entlang geschlendert und habe mich dann ins Auto gesetzt um zu den Redwoods zu fahren.

Rotorua – Pohutu Geysir

Normalerweise sind die Baumriesen ja in Kalifornien beheimatet, aber hier auf der Nordinsel gibt es auch einen ganzen Wald davon. Majestätisch stehen die Bäume entlang der Wege und zeigen einem, wie klein man doch eigentlich ist. Geschäftsfreudige Unternehmer haben am Rand des Waldes einen Treetop-Walk angelegt, den man für 25 Dollar gehen kann. Das Geld für den 550 Meter langen Weg, der gerade mal maximal 12 Meter über dem Boden verläuft, habe ich mir aber gespart; unten auf dem Boden ist es mindestens genauso schön, und viel weitläufiger.

Rotorua – Redwood Forest
Rotorua – Redwood Forest

Eine halbe Stunde später war ich dann mit dem Auto am Kersosene Creek, einem kleinen Wasserfall, den ich über eine der wenigen Schotterstraßen, die ich in Neuseeland gefahren bin, erreicht habe. Der Clou des Wasserfalls: er hat eine Wassertemperatur von etwa 37°C – und stinkt natürlich nach Schwefel. Auf dem Weg zum Fall geht man an dem kleinen Bach entlang und schon hier baden die Leute im warmen Wasser. Unterhalb des Falls gibt es ein Becken, und da liegen sie alle drin, entspannen sich oder planschen herum.

Kerosene Creek

Nochmal eine weitere halbe Autostunde war Wai-O-Tapu. Das Geothermalfeld hat neben einem Geysir (Lady Knox, die täglich um 10.15 Uhr ‚gezündet‘ wird) einige Seen und sonstige Schlammlöcher, in denen es blubbert und brodelt. Schwefelgeruch hängt in der Luft. Die Lady Knox musste ich zeitlich natürlich streichen, aber für die Seen konnte ich den Rundweg noch gehen. Er führt vorbei an stinkenden Schlammlöchern wie Devils’s Home oder Artist’s Palette. Die Hauptattraktion ist ein kristallklarer See in der Mitte, aus dem es heraus dampft: der Champagne Pool. Wie Sekt lassen kleine Bläschen das Wasser im brühendheißen See perlen. Der orangefarbene Rand kommt von Schwefel, Silber, Gold, Arsen und Quecksilber.
Kleine Bäche, die kochend übers Gestein laufen, fließen an anderer Stelle nach unten und über einen Wasserfall in den Lake Ngakoro, und am Ende des Rundgangs kommt man an einem giftgelben See vorbei, dem Devil’s Bath.

Wai-O-Tapu – Devil’s Bath
Wai-O-Tapu – Champagne Pool
Wai-O-Tapu

Am Tag, als ich bei den Hobbits war, habe ich bei Facebook Bilder vom Auenland gepostet. Daraufhin habe ich von Jojo, einem Freund aus Augsburg, eine Nachricht bekommen, dass ein Studienfreund von ihm zurzeit ebenfalls in Neuseeland herumtoure und wohl ganz in der Nähe sei. Sein Angebot, uns zusammen zu bringen, habe ich natürlich gern angenommen, und so wurde ich mit Felix bekannt gemacht. Wie sich dann aber recht schnell herausgestellt hat, wäre ein Bekanntmachen gar nicht nötig gewesen, denn wir kannten uns bereits. Es muss mindestens zehn Jahre her gewesen sein, dass wir uns das letzte Mal gesehen haben. Und jetzt, am andern Ende der Welt und so nahe beieinander, wäre es ja schon blöd gewesen sich nicht zu treffen. Also hatte ich bereits am Tag zuvor eine Unterkunft in Taupō gebucht, und genau dahin ging es für mich nun nach dem Besuch in Wai-O-Tapu.

Felix, der wie ich auf Weltreise ist und hier in Neuseeland mit einer Freundin unterwegs ist, war schon im Motel, als ich endlich ankam. Es gab viel zu erzählen, Reisetipps wurden austauscht, und zu dritt waren wir an jenem Abend noch beim Thailänder beim Essen. Die Welt ist halt doch ein Dorf!

Felix und Anja sind am nächsten Morgen schon früh Richtung Rotorua abgefahren, während ich mir an diesem Sonntag erstmal was beim Bäcker geholt habe und dann anschließend gemütlich und bei schönstem Wetter am Lake Taupō entlang nach Turangi gefahren bin. Für die Raftingtour war ich noch ein bisschen früh dran, und deshalb habe ich dankbar den Tipp von einem Mädel am Schalter angenommen, die mir einen kleinen Rundgang um den Lake Rotopounamu empfohlen hatte. Der See liegt nur ein paar Minuten von Turangi entfernt.

Taupō – Lake Taupō
Turangi – Lake Rotopounamu
Turangi – Lake Rotopounamu

Zurück im Städtchen habe ich mir was zum Essen geholt und bin dann zurück zum Rafting. Wir wurden mit Neopren-Anzug und Fleece-Pulli eingekleidet und eine knappe halbe Stunde hinauf zum Tongariro River gekarrt. Ich war mit einer Mutter und ihren beiden Jungs aus Kalifornien im Boot, und wir haben uns von unserer Bootsführerin (was weiß ich, wie die nochmal hieß!) herumkommandieren lassen: Paddle forward! Paddle right! Paddle backward! Hold on!
Ich hatte sowas noch nie gemacht, aber es hat riesig Spaß gemacht. Einige Stromschnellen waren harmlos, an anderen sind war gescheit nass geworden.
An einer Stelle auf halbem Weg hat uns unser Drill Sergeant auf einen Riss in der Felswand auf beiden Seiten des Flusses aufmerksam gemacht. Just an dieser Stelle zeigt sich die Taupō Volcanic Zone, die dadurch entsteht, weil sich die Pazifische Platte unter die Australische Platte schiebt. Das Ganze ist aber nicht nur durch einen Riss im Gestein zu erkennen, sondern ist auch der Grund, warum es in einem Streifen von der Bay of Plenty über Rotorua und Taupō bis nach Wanganui verstärkt Erdbeben, aktive Vulkane, heiße Quellen und blubbernde Schwefelschlammlöcher gibt.
Nach dem Rafting und einem neuseeländischen Sandwich-Büffet (…) habe ich die letzten Kilometer des Tages nach National Park Village abgefahren und es mir im Hostel gemütlich gemacht.

Im Hostel habe ich Arthur aus Nantes kennengelernt, der das Bett unter mir hatte und ebenfalls eine Weltreise machte, allerdings anders rum. Zusammen mit ihm (und vielen anderen auch noch) wurden wir am nächsten Morgen um acht von Tracey, einer äußerst redseligen Busfahrerin, am Hostel abgeholt und etwa eine halbe Stunde bis zum Ausgangspunkt für die Tongariro-Überquerung gebracht. Wolkenlosen Himmel hatten wir im Dorf, aber am Berg waren dann Wolken. Der Wanderweg ist 19,4 Kilometer lang, beginnt am Parkplatz an der Mangatepopo Road und endet auf der anderen Seite an der Ketetahi Road. Natürlich kann man den Weg auch in die andere Richtung gehen, aber so spart man sich 400 Höhenmeter. Am Fuße des in Wolken gehüllten Vulkans Mount Ngauruhoe geht es gemütlich nach oben, aber dann kommt Devil’s Staircase, wo es ordentlich steil wird. Nach etwa zwei Dritteln des Aufstiegs gelangt man auf die ebene Fläche eines Kraters, bevor es nochmal anstrengend wird. Im teilweise eingefallenen Krater des Tongariro-Vulkans war neben schwarzen Stellen weinrotes Lavagestein zu erkennen, während in der Ferne trotz hoher Wolken das Tal kilometerweit zu sehen war. Auf dem Weg hinab gab es verschiedenfarbige Seen und schwefligen Dampf aus Felsspalten. Ich gebe zu, dass ich am Ende des Wegs auch recht froh war, dass es vorbei war, denn die 400 zusätzlichen Höhenmeter nach unten hat man gemerkt. Wie gut, dass uns Tracey, erschöpft wie wir waren, sicher zurück gebracht hat.

Tongariro Crossing
Tongariro Crossing
Tongariro Crossing
Tongariro Crossing

Im Hostel habe ich geduscht und bin dann noch ein paar Kilometer weiter nach Ohakune gefahren, damit ich die morgen früh nicht mehr machen muss. Von dort bin ich nach einer entspannten Nacht nochmal von der Südseite in Richtung Tongariro Nationalpark und habe eine Tour gemacht, die ich aus dem Reiseführer eines Amerikaners herausgesucht hatte. NZ Frenzy heißt das Werk und es gibt jeweils ein Buch für die Nord- und die Südinsel. Dort sind wirklich ein paar tolle Tipps und Wanderungen drin, auch abseits von den üblichen Touristenpfaden.

Tongariro National Park
Tongariro National Park
Tongariro National Park
Tongariro National Park

Den Rest des Tages musste ich Strecke machen, denn am nächsten Abend hatte ich in Wellington zu sein, um die Fähre auf die Südinsel zu kriegen. Mein Ziel für diesen Tag war Paraparaumu, eine kleine Stadt an der Westküste der Nordinsel. Ich bin dann mal wieder zum Inder zum Abendessen gegangen, denn die Fish ‘n Chips, auf die die Neuseeländer so stolz sind, wollte ich mir nicht geben.

Sonnenuntergang in Paraparaumu

An meinem letzten Tag auf der Nordinsel war ich schon recht früh in Wellington und habe mir die Stadt angeschaut. Vom Mount Victoria hat man einen wunderbaren Blick auf die Hauptstadt Neuseelands, die trotzdem nicht die größte Stadt des Landes ist. Als auf der Südinsel ein Goldrausch ausbrach, hatte man die Hauptstadt von Auckland nach Wellington verlegt, da man fürchtete die Südinsel würde sich selbstständig machen.

Am Nachmittag war ich bei einer geführten Tour durch das neuseeländische Parlament dabei. Diana, eine älter Dame, hat unsere Gruppe durch den Gebäudekomplex geführt und dabei Anekdoten und Infos über Land und Politik zum Besten gegeben. Neuseeland hat nur eine Kammer (keinen Senat oder Bundesrat wie bei uns), und wie es scheint wird Politik teilweise auch ein Stück direkter gemacht als bei uns. Außerdem gibt es zwar zwei Amtssprachen, aber erstaunlicherweise ist Englisch nicht dabei, sondern nur Māori und Neuseeländische Gebärdensprache. Ähnlich ist es übrigens auch in Australien, Großbritannien und den Vereinigten Staaten: Englisch ist de jure keine Amtssprache, nur de facto. Das Parlament hat eine wunderschöne Bibliothek und zum Schluss hat uns Diana noch ganz stolz in den Keller geführt und uns gezeigt, dass das komplette Gebäude auf Puffern steht, die die Schäden durch ein Erdbeben so gering wie möglich halten sollen.

Wellington – Mt. Victoria
Wellington – Neuseeländisches Parlament

Den Abend habe ich ganz entspannt angehen lassen und mich dann gegen halb zwei in der Nacht auf den Weg zum Fähranleger gemacht. Um 2.30 Uhr legte meine Fähre nach Picton auf der Südinsel ab. Kurz davor hatte es bereits am Hafen heftig angefangen zu regnen, und es sollten fast sechs weitere Tage vergehen, bis das Wetter wieder gut werden würde.

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