Planlos

Planlos

Eigentlich bin ich ja ein Planer. Am liebsten ist es mir, wenn alles vorab organisiert ist, damit es später keine Überraschungen gibt. Ich habe für meine Reise zwar noch nicht alle Flüge gebucht, aber diverse Hostels und Züge in China, Feuerland oder sonst wo sind schon reserviert und teilweise bezahlt. Nach Afrika komme ich komplett blank!

Das einzige, was ich für den schwarzen Kontinent bisher gebucht hatte, war das Hostel in Kapstadt. Nun geht es aber weiter und ich muss mich dringend darum kümmern. Am ersten Tag des Jahres habe ich zusammen mit Steffi erstmal eine Free-Walking-Tour durch die historische Altstadt Kapstadts gemacht. Dabei wurde uns unter anderem erklärt, warum einige Leute direkt an der Straße ihre Zelte und Matratzen aufgeschlagen haben. Das sind nicht irgendwelche Obdachlose, sondern sozusagen frühe Vögel. Aber dazu später mehr.

Kapstadt, Rathaus
Kapstadt

Nach der Stadtführung verabschieden wir uns, denn Steffi muss eine Freundin abholen und fährt mit ihr dann auch weiter nach Namibia. Ich unterdessen suche mir in der Shopping-Mall an der Waterfront einen zuverlässigen WLAN-Hotspot und kümmere mich um meine Weiterreise, denn irgendwie werde ich langsam unruhig. Das alles passt nicht zu mir. Also wird kurzerhand ein Flug nach Windhuk gebucht (der Bus ist inzwischen ohnehin ausgebucht und einen Mietwagen dorthin zu fahren ist zu teuer – und auch sehr weit), es wird ein Mietwagen innerhalb Namibias reserviert, und die Unterkünfte in Windhuk und Swakopmund gebucht.

Mit einem einigermaßen guten Gefühl gehe ich dann zurück ins Hostel und treffe dort auf Julian, einen Berliner, der gerade erst angekommen ist und mit dem ich am nächsten Tag kurzfristig eine Radtour unternehme. Wobei es dann ungeplant (schon wieder!) ein richtiger Radausflug wird, und wir am Ende 52 Kilometer zurückgelegt haben. Zuerst fahren wir an der Küste entlang, an nicht besonderen Stränden, aber dann kommen wir nach Clifton. Ein traumhafter Strand, und gleich dahinter Ferienhäuser wahrscheinlich ziemlich reicher Leute. Also, dort ich würde eines nehmen, da wäre es mir dann auch eher zweitrangig, dass das Meer kalt ist.

Kapstadt, Camps Bay
Kapstadt, Clifton
Kapstadt, Hout Bay
Kapstadt, Hout Bay
Kapstadt, auf dem Weg nach Hout Bay
Kapstadt
Kapstadt, Camps Bay

Wir fahren und fahren und schließlich kommen wir nach Hout Bay, wo wir echt lecker essen und uns dann gestärkt auf den Rückweg machen. Julian ist ein großer Hobbyfotograf und klärt mich über die Kamera auf, die ich zuhause von Freunden ausgeliehen habe. Mal schauen, was ich davon behalten und umsetzen kann.

Nach der Rückgabe der Leihräder versuchen wir zuerst ein Uber zu bekommen, was uns auch gelingt, das uns aber nicht bis zum Hostel schafft, weil in der Stadt die Hölle los ist. Der Grund: Früher, zu Zeiten der Sklaverei, gab es für die Sklaven nur einen einzigen freien Tag im Jahr, und das war der 2. Januar. Mehr als verständlich, dass die Leute das ordentlich gefeiert haben. Sie haben sich Kleidung in hellen und bunten Farben angezogen und sind durch die Stadt gezogen. Diese Tradition hat sich bis heute gehalten und nimmt inzwischen Züge an, die schwer an Karneval erinnern, zumal es auch Coon Carnival gennant wird. Einige wichtige Straßen sind gesperrt und die coloured Musikanten, die in verschiedenen Gruppen organisiert sind, ziehen lautstark und schrill durch die Stadt. Ein bisschen hat es mich an die Guggenmusik von zuhause erinnert. Und eben dieser Umzug, der von mittags bis spät in die Nacht geht, bringt die Menschen dazu, schon Tage zuvor ihre Zelte an der Strecke aufzustellen und zu campieren. Und er bringt den Verkehr zum Erliegen, weshalb wir dann halt den Rest der Strecke zum Hostel zu Fuß gegangen sind.

Kapstadt, Coon Carnival

An dieser Stelle nochmals vielen Dank an Julian für die Bilder und dass ich sie hier verwenden darf!

Kapstadt, Long Street
Kapstadt, Hostelbalkon
Kapstadt

2 Gedanken zu „Planlos

  1. Hallo Dominik, das liest sich alles sehr spannend und aufregend. Ich freue mich für Dich, das Du auf wohlgesinnte und nette Menschen triffst, die Dich streckenweise begleiten. Das, denke ich, macht einen Aufenthalt und eine Erlebnisreise erst zu einer solchen. Deine Fotos sind auch traumhaft und lassen den Leser bei Dir sein. Ob Dusche im Freien, 41 Grad in der Wüste oder Karneval in Ri…nein, Kapstadt…alles ist bisher sehr beeindruckend. Mach weiter so und hab bei allem viel Spaß. Viele Grüße, Daniel

  2. Lieber Dominik,

    wie schön sich dein Aufenthalt in Kapstadt liest. Es erinnert mich an die Zeit vor knapp einem Jahr als ich selbst dort war und dieses herrliche Fleckchen Erde besucht habe.

    Euer Hostel lag ja direkt im Zentrum! Toll! Und dass ihr den Coon Carneval mitbekommen habt, ist ja echt klasse!

    Glückwunsch zur Tafelberg-Besteigung! Ich finde, dass man die Aussicht noch mehr zu schätzen weiß, wenn man tatsächlich hochgestiegen ist.

    Liebe Grüße aus Berlin
    David

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