Plusquamperfekt

Plusquamperfekt

Ein dreiköpfiges Empfangskomitee hat uns willkommen geheißen. Eine Polynesierin hat zur Musik von zwei Herren und deren Ukulelen getanzt. Fast schon Klischee. Das ist Tahiti. Mitten im Pazifik.

Tahiti – Ankunft in Polynesien

Da ich für Bora Bora ein bisschen sparen musste, habe ich mir in Papeete, der Hauptstadt von Tahiti, lediglich ein günstiges Hostel genommen. Und dann kam ich prompt in ein Zimmer mit einem Tahitianer, der von einer mir bis dato unbekannten, zwei Flugstunden entfernten Insel kam und nachts ganz komisch mit den Zähnen geknirscht hatte, und der zweite Zimmergenosse war ein dicker, irgendwie ekliger, alter Schwätzer aus Berlin.

Als ich am nächsten Tag beim Frühstück saß, habe ich auch den Grund erfahren, warum der Flug vorverlegt worden war: Der Flug musste deshalb noch rechtzeitig vor Mitternacht in Papeete laden, weil es heute etwas – wie soll es auch anders sein – typisch Französisches in Tahiti gab: Une grève. Ein Streik.
Natürlich wusste ich, dass ich nach Frankreich komme, aber ein bisschen gestaunt habe ich dann doch. Von den Straßenschildern bis hin zur Polizeisirene ist alles exakt wie in Frankreich. Macron ist selbstverständlich auch hier Staatsoberhaupt, die Leute (natürlich nicht alle) laufen mit Baguette unterm Arm durch die Straßen (zugegeben, eine Baskenmütze hat keiner getragen) und in den Bäckereien werden Eclairs und Profiteroles verkauft. Das Frühstück im Hostel bestand aus aufgeschnittenen Baguettes; aber ehrlich gesagt, habe ich die Croissants vermisst, die gab es nämlich nicht. Das war allerdings bestimmt der Preisklasse des Hostels geschuldet. Was es in Tahiti auch nicht gab, war der Euro. Stattdessen wird hier nach wie vor mit dem Pazifik-Franc bezahlt; die neunte Währung auf meiner Reise. Der Pazifik-Franc ist fix an den Euro gekoppelt. 1 Euro sind 119,33 XPF.

Papeete ist eine Stadt mit knapp 26.000 Einwohnern (in der Agglomeration sind es gut 162.000), aber es gibt eigentlich nicht viel zu sehen. Daher habe ich mir mal wieder einen Roller gemietet und bin ein bisschen über die Insel gedüst. Tahiti zählt zu den Îles du vent, den Inseln über dem Winde, und besteht aus einer großen Insel (Tahiti Nui) mit Papeete im Westen und einer kleinen, quasi angewachsenen Insel (Tahiti Iti) auf der anderen Seite im Osten. Das Ganze sieht ein bisschen so aus wie ein Fisch (große Insel) und seine Schwanzflosse (kleine Insel). Eine Straße führt einmal komplett herum, in der Mitte erheben sich Berge, die Reste zweier Vulkane – was auch sonst, hier im Pazifik? Von der Kathedrale von Papeete aus (manche Dorfkirche in Deutschland ist größer) werden die Kilometer gezählt; nord- und südseitig unabhängig voneinander. Hinten im Osten, wo die Schwanzflosse beginnt, sind es ca. 65 Kilometer, und dann nochmal um die zwanzig auf der kleinen Schwanzflosseninsel. Die Uhrzeit in Tahiti ist hier wieder auf die geografische Lage abgestimmt; die Sonne geht gegen sechs in der Früh auf, und gegen sechs am Abend wieder unter. Das ganze Jahr über.

Ich bin auf der Südseite bis etwa Kilometer 55 gefahren, habe mir an einer Bäckerei ein Schoko-Eclair mitgenommen und bin wieder zurück gedüst. Zwischendrin hatte es leicht geregnet, was eigentlich nicht schlimm gewesen wäre, nur bei knapp 80 km/h sind auch Regentropfen auf nackten Armen ein bisschen unangenehm. An einer hübschen Grotte mit Regenwaldfauna habe ich einen Halt gemacht, was sich als recht günstig herausgestellt hat, denn so konnte ich den zwanzigminütigen Regenschauer gemütlich unter einem Blätterdach aussitzen. Danach habe ich am Strand bei Kilometer 18 gebadet und im warmen Wasser des Südpazifiks den nächsten Regenschauer abgewartet.

Tahiti – Grottes de Maraa
Tahiti – Grottes de Maraa

Zurück in der Stadt bin ich am Hafen entlang geschlendert und mich dann auch recht zeitig ins Bett verzogen, nachdem mir der dicke Berliner noch fast ein Ohr abgekaut hatte. Überhaupt war das ein komisches Hostel, denn um neun war nix mehr los, weil alle schon in ihren Betten waren.

Der nächste Tag begann früh. Ich hatte mir einen Ausflug mit dem Katamaran nach Tetiaroa gebucht. Abfahrt war um halb sechs, noch bevor die Sonne aufgegangen war. Obwohl in der Stadt schon was los war, hatte das Ganze eine tolle Atomsphäre.

Tahiti – Papeete am frühen Morgen

An Bord war ich der einzige Deutsche, der Rest waren Franzosen. Natürlich war die ganze Kommunikation auf Französisch – vom Erklären der Sicherheitsregeln bis zu den Ausführungen beim Landgang. Dann kam noch dazu, dass die Polynesier einen gewissen Akzent haben. Ich habe vieles nicht verstanden und freundlich gelächelt. An Bord gab es Frühstück, was mir auch ganz recht war, denn ich hatte noch nichts gegessen. Und da das Frühstück ja die wichtigste Mahlzeit des Tags ist, habe ich auch ordentlich zugeschlagen. Ein großer Fehler, wie sich nicht viel später herausstellen sollte. Normalerweise macht mir eine Bootsfahrt nichts aus, aber das Schaukeln des Katamarans und mein voller Magen haben mir zuerst ein gewisses Unwohlsein und dann Schweißausbrüche bereitet. Erst nachdem ich eine nähere Bekanntschaft mit der Bordtoilette gemacht hatte, ging es mir wieder besser und ich konnte den ganztägigen Ausflug genießen. Und dazu gab es allen Grund. Als wir gegen zehn auf Tetiaroa ankamen, wurde ein kleines Beiboot zu Wasser gelassen und einer nach dem anderen auf die Insel gebracht. Nach einem kurzen Spaziergang mit größtenteils unverständlichen französischen Hinweisen sind wir tatsächlich in einem kleinen Paradies angekommen. Genau so stellt man sich die Südsee vor: palmengesäumter, schneeweißer Strand und türkisblaues Meer. Im knietiefen Wasser sind wir um eine Vogelinsel herum gewatet und haben uns auf der anderen Seite in einer badewannenwarmen Bucht entspannt. Wow! Es war perfekt. Mehr als perfekt eigentlich. Plusquamperfekt!

Tahiti – Abfahrt nach Tetiaroa
Tahiti – Abfahrt nach Tetiaroa
Tahiti – Abfahrt nach Tetiaroa
Tetiaroa
Tetiaroa
Tetiaroa

Zurück auf dem Boot gab es Mittagessen, das ich nun auch bei mir behalten hatte. Danach konnten wir noch einmal ins Wasser zum Schnorcheln, diesmal vor dem Riff, wo unser Katamaran geankert hatte. Hier fällt das Meer schnell tief hinab. Im Wasser sind bei Weitem nicht mehr so viele Fische wie im Riff, was es hier allerdings gibt, sind Riffhaie. Angeblich sind sie harmlos, aber als ich mit meinem in Santiago gekauften Schnorchelset im Wasser war und einen gesehen hatte, sind meine Bewegungen dann doch etwas hektischer geworden.
Die Rückfahrt nach Papeete war ganz entspannt. Alle sind ihren Gedanken nachgehangen und haben den Sonnenuntergang über dem Meer genossen. Es war schon dunkel und weit nach sieben, als wir im Hafen angekommen sind.

Tetiaroa – Unser Katamaran
Tetiaroa
Tetiaroa – Sonnenuntergang über Moorea

In einer Seitengasse habe ich mir zum Abendessen eine sündhaft teure Pizza gegönnt. Und da ich schon Geld beim Fenster rausschmeiße, war auch noch eine Crème brûlée drin. Allerdings: wie zu erwarten war: Das kann ich besser!

Für den Tag meines Abfluges nach Bora Bora war wieder ein Streik angekündigt. Diesmal ein Generalstreik. Der Flug war davon offensichtlich nicht betroffen, aber anfangs konnte mir keiner so recht sagen, wie und ob ich überhaupt zum Flughafen Faa’a kommen würde, denn die Straßen der Stadt waren alle blockiert. Gegen zwölf war das Schlimmste aber vorbei und die Busse sind wieder gefahren. Meinen drei Nächten auf einer Trauminsel stand also nichts mehr im Weg.

Der Flughafen liegt auf einer kleinen Insel im Nordwesten des Archipels. Als ich nach 50 Minuten Flug in Bora Bora angekommen bin, bekam ich von einer Dame meines Hotels wieder eine Blumenkette um den Hals gelegt, und dann hat mir die füllige Polynesierin angeboten, für 50 Euro den direkten Bootshuttle zum Hotel zu nehmen oder den kostenfreien Bootshuttle in den Hauptort Vaitāpē und von dort ein Taxi zu nehmen. Ich habe mich für Letzteres entschieden, denn was ich allein für die drei Übernachtungen im Hotel hinblättere, ist schon fast pervers. Mit dem Geld könnte man wahrscheinlich ein Kind in Afrika drei Jahre lang durchfüttern. Und dabei war das Hotel noch lange nicht das teuerste.

Bora Bora – Flughafenzufahrt
Bora Bora – Ankunft im Hafen von Vaitāpē
Bora Bora – Hotelteich
Bora Bora – Hotelstrand
Bora Bora – Overwater Bungalows

Die Hauptinsel von Bora Bora liegt in der Mitte des Atolls und wird von einer 32 Kilometer langen Straße rundherum umspannt. Das Inselinnere ist üppig bewachsen und weitgehend unerschlossen. Hier kommt man nur mit einem Geländewagen hin. Im Tiefenwasser des Hafens von Vaitāpē können auch große Kreuzfahrtschiffe anlegen. Um die Insel herum liegt ein Korallensaum, auf dem verschiedene Inselchen sind, unter anderem der Flughafen, und weitere, deutlich teurere Hotelresorts. Und dorthin kommt man nur mit Booten. Nach dem Angriff auf Pearl Harbor waren auch die Amis auf Bora Bora und haben her eine wichtige Versorgungsbasis eingerichtet. Zu Gefechten kam es nie, aber noch heute stehen verrostete Kanonen auf einer östlichen Landzunge und zielen auf die exklusivsten Hotelresorts des Atolls: Le Méridien, The St. Regis und das InterContinental.

Bora Bora – Le Méridien von den amerikanischen Kanonen aus geshen
Bora Bora – Mont Otemanu

Mein Hotel war aber auch super, mein Bungalow sehr geräumig, und es waren kaum Leute da. Ganz entspannt. Ich habe gebadet, gedöst, mich gesonnt, bin mit dem Fahrrad auf der Ringstraße gefahren, mit einem Kayak zum Schnorcheln an ein Riff gepaddelt und habe lecker gegessen. Ich habe die Zeit genossen, nachdem die letzten Wochen teilweise recht stressig waren. Kaum zwei Nächte am gleichen Ort. Always on the go. Ein bisschen runterkommen war daher ganz gut und wichtig.

Bora Bora – Hotelstrand
Bora Bora – Private Hotelinsel
Bora Bora – Hotelpool
Bora Bora – Paradise Garden
Bora Bora – Paradise Garden
Bora Bora – Paradise Garden
Bora Bora – Folkloregruppe; der im weißen Hemd gehört nicht dazu 😉

Als ich das Paradies wieder verlassen musste, war es Sonntag, und ich habe mich schweren Herzens von der Insel verabschieden müssen. Am Flughafen ging alles ganz easy, eine Sicherheitskontrolle gab es schlichtweg nicht, und im Flugzeug war freie Platzwahl. Klar, dass ich mich auf die rechte Seite gesetzt habe, um nochmal einen super Blick auf Bora Bora zu haben. Dann ging es nach Moorea zu einem kurzen Zwischenstopp und von dort dauerte der Flug nach Papeete gerade mal gute 10 Minuten.

Bora Bora – Flughafenzufahrt
Bora Bora – Abflug aus dem Paradies

Der Essensbereich von McDonald’s im Flughafen war von ein paar Hennen bevölkert, die dort eifrig um Pommes gekämpft haben. Da ich genug Zeit hatte, habe auch ich ein paar meiner Pommes geopfert und die Hennen um mich herum rennen lassen.
Mein Flieger von Air New Zealand ist pünktlich abgeflogen. Der knapp sechsstündige Flug hat die Datumsgrenze überquert und so sind wir am Montagabend, 28 Stunden später, in Auckland gelandet.

Ein Gedanke zu „Plusquamperfekt

  1. Lieber Dominik, leider kommen wir viel zu wenig dazu Deine Abenteuer in Deinem Blog zu verfolgen, heute hast Du uns aber mit Deiner Postkarte aus Neuseeland aus dem Alltag geholt uns wieder daran erinnert was Du so treibst! Vielen lieben Dank für die Karte und die Grüße! Unser Umzug hat gut geklappt, wir fühlen uns in unserem Haus schon sehr wohl.
    Beim Lesen Deiner Einträge und Betrachten der Bilder packt einen sofort das Fernweh und man ertappt sich bei dem Gedanken ein ähnliches Abenteuer zu wagen, wenngleich dass für uns jetzt mit Kind und Tobis Selbstständigkeit ziemlich unwahrscheinlich und schwierig ist.
    Wir wünschen Dir weiterhin eine wunderbare Reise mit tollen Eindrücken und unvergesslichen Erfahrungen.
    Ganz liebe Grüße aus Augsburg,
    Gerli und Tobi mit Fiona

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