Steter Tropfen

Steter Tropfen

Nüchtern betrachtet ist es ja nichts anderes als Wasser, das über einen Felsen nach unten läuft. Andererseits ist es ziemlich beeindruckend, was die Natur dort geschaffen hat. Ein Fluss, der über einer Länge von über 1,7 Kilometern bis zu 110 Meter in die Tiefe stürzt. Die Viktoriafälle im Norden Simbabwes an der Grenze zu Sambia, dem höchsten Wasserfall Afrikas.

Viktoriafälle – nicht von mir, aber von oben

Die Reise dorthin begann relativ früh: um kurz nach sieben. Von meinem Gästehaus in Okahandja waren es noch gut 130 Kilometer zum Flughafen nach Windhuk, und ich musste bis 9 Uhr dran sein, um das Auto rechtzeitig abzugeben, selbst wenn der Flug erst um 14.15 Uhr ging. Bei meiner Fahrt durch die Hauptstadt war – und das muss ich jetzt wider Erwarten zugeben – im morgendlichen Berufsverkehr dann doch viel mehr los als gedacht. Also bei Weitem mehr als das, was ich vor 9 Tagen kurz vor Mittag erlebt habe.

Die Rückgabe verlief anstandslos. Niemand hat beanstandet, dass die Stoßdämpfer um einiges beansprucht worden sind und auf der Windschutzscheibe ein paar Steinchen ihre Spuren hinterlassen haben. Tschüss, Polo!

Die Zeit zum Flug nutze ich für die weitere Organisation meiner Reise und um diverse E-Mails zu schreiben. Und mit einer halben Stunde Verspätung geht es los nach Victoria Falls in Simbabwe. Einem Land, das über Jahrzehnte hinweg von Robert Mugabe beherrscht worden ist und ab den 1990ern eigentlich nur noch mit Negativschlagzeilen in den Nachrichten erschien. Ein Land mit einem Diktator, der erst im November 2017 abgesetzt und durch einen nicht viel besseren, steinreichen Politiker ersetzt wurde. Ab Ende der 90er Jahre wurden weiße Grundbesitzer nach und nach quasi enteignet, um das Land der schwarzen Bevölkerungsmehrheit zurückzugeben, womit ein Wirtschaftsabschwung begann und ab ca. 2001 der Verfall der Währung. Nach einer täglichen Hyperinflation von 98% im Januar 2009 hat die Regierung ab April desselben Jahres ausländische Währungen als Zahlungsmittel eingeführt. Heute wird ausschließlich in US-Dollar bezahlt, wobei in einer Touristenhochburg wie Vic Falls auch der Euro, das britische Pfund und der südafrikanische Rand akzeptiert werden.

Der Transfer zu meiner Unterkunft hatte schon auf mich gewartet, als ich gelandet bin, und mich in eine Backpackers Lodge gebracht, in der kaum was los war. Aus diesem Grund durfte ich mir meine Hütte sozusagen selber aussuchen. Ich bin mit einer Französin und einer Schweizerin ins Gespräch gekommen und habe mich dann später noch zu Fuß ca. 20 Minuten auf den Weg in die Stadt gemacht, um etwas zu essen. Die Preise sind gesalzen in dieser Burger-Bar, aber wie ich später noch herausfinden sollte, sind sie das in dieser Touristenstadt überall. Und mein Fahrer zum Flughafen wird mir noch erzählen, dass die Leute zum Lebensmitteleinkauf eher rüber nach Sambia oder sogar ins 70 Kilometer entfernte Botswana fahren. Mit dem Taxi ging’s nach dem Burger und dem Milchshake zurück in meine Lodge – gut, dass mir der Kerl vom Empfang gesagt hatte, wieviel die Fahrt kosten darf.

Backpackers‘ Lodge

Nach einem stärkenden Frühstück bin ich am nächsten Morgen wieder zu Fuß runter in die Stadt und von dort nochmal eine Viertelstunde weiter zum Eingang zu den Fällen auf simbabwischer Seite. 30 US-Dollar wollen die hier für den Eintritt! Der Rundgang beginnt an jener Stelle, wo David Livingstone 1851 als erster Europäer die Viktoriafälle zum ersten Mal erblickt hat. Der Fluss, der dort in die Tiefe stürzt, ist der Sambesi, der viertlängste Fluss Afrikas. Der Fluss ist 2574 km lang (ca. 300 km kürzer als die Donau) und auf seiner gesamten Länge von nur 9 Brücken überspannt. Im Gegensatz zum Iguaçu an der argentinisch-brasilianischen Grenze, an dem ich vor ziemlich genau einem Jahr war, geht’s für den Sambesi zwar auch auf breiter Front nach unten, aber dann läuft er zuerst im rechten Winkel dazu weiter bis das Wasser vereint in den Canyon abfließt. Die Schlucht, in die er fällt, ist kaum mehr als 50 Meter breit, was dazu führt, dass das Wasser auf der einen Seite hinabstürzt und auf der anderen (Besucher-)Seite die Gischt angeblich bis zu 300 Meter nach oben geschleudert wird. Folglich kommt man sich an einigen Stellen vor wie in einem feinen englischen Nieselregen, wenngleich die Temperaturen dazu wesentlich angenehmer sind. Außerdem hat dieser stetige Regen dazu geführt, dass sich auf der Besucherseite auf etwa 200 Metern ein Regenwald gebildet hat.

Viktoriafälle – Devil’s cataract
Viktoriafälle – Blick in die Schlucht
Viktoriafälle
Viktoriafälle
Viktoriafälle
Viktoriafälle – Regenwald
Viktoriafälle
Viktoriafälle
Viktoriafälle

Völlig durchgenässt – aber was noch schlimmer ist, die Frisur ist jetzt auch dahin – habe ich mich an den (trockenen) Aussichtpunkt mit Blick auf die Grenzbrücke gesetzt und den Verrückten zugeschaut, die sich am Bungee-Seil nach unten stürzen. Als ich mich kurze Zeit später auf den Rückweg zum Besuchercafé gemacht habe, war ich schon wieder trocken. Ein leckeres Kuchendessert rundet meinen Besuch an den Fällen ab – und leider auch meinen Bauch! Anschließend bin ich aber doch nochmal zurückgegangen – wer weiß schon, ob ich jemals wieder hierher komme. Und außerdem hab ich ja dafür bezahlt.

Viktoriafälle
Auch mit dabei – Warzenschwein

Der Umweg über das Lookout Café, als ich eigentlich schon wieder den Fußmarsch zum Hostel zurück angetreten hatte, hat sich gelohnt. Auf einem schattigen Balkon hoch über dem Abfluss des Sambesi, ein leichter und angenehmer Nebel aus Sprühdüsen zum Kühlen, und ein toller Ausblick obendrein. Da hat das zweite (!) Dessert gleich umso besser geschmeckt.

Viktoriafälle – links Simbabwe, rechts Sambia, Mitte Ablauf
Viktoriafälle – Ablauf in den Canyon
Viktoriafälle

Abends hänge ich meine Füße in den Pool des Hostels, suche mir unten in der Stadt nach etwas zum Essen und packe meine Sachen für die morgige Weiterreise. Es geht zurück nach Südafrika, auf Safari in den Krüger-Nationalpark.

2 Gedanken zu „Steter Tropfen

  1. Lieber Dominik, der erste Kontinent liegt hinter dir. Es macht sehr viel Freude, Deine neuen Texte zu lesen und die wunderschönen Ansichten dabei zu genießen. Die Texte sind animierend geschrieben, machen Lust auf „das kenne ich nicht, sollte ich auch mal live sehen“, sind witzig und informativ und hinterlassen mit Deinem Fußabdruck dort einen einmaligen Eindruck. Danke, dass Du uns mitnimmst und wir dabei sein dürfen. Nun heißt es „Bem-vindo em Brasil“. Boa viagem e um abraço, Daniel

  2. Hallo Dominik,
    das sind ja Hammer Fotos und dann noch diese ausführlichen Berichte.
    Wie lange bist du noch unterwegs.
    Das mit den Touren wie du unterwegs bist finde ich auch spitze.
    Knipse fleißig weiter, damit wir neidisch zusehen können (-:
    Viel Spaß noch und komm Gesund zurück.

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